1938 bis 1945 – Tarnen und täuschen

Dieser Kurzbeitrag beschäftigt sich mit den Versuchen, militärisch wichtige Objekte für die Luftaufklärung unsichtbar zu machen oder für fremde Augen als unbedeutende Bauwerke erscheinen zu lassen. Zu diesem Zweck wurden die Außenflächen mit Tarnanstrichen versehen, die durchaus unterschiedlich und bisweilen sogar kreativ ausfielen. So wurden etwa Übungs- und Transformatorenbunker mit Bemalungen versehen, die ab einer gewissen Distanz den Eindruck hervorriefen, es handle sich dabei um gewöhnliche Scheunen oder Häuser. Die Anstriche haben seit Ende des Zweiten Weltkrieges zwar einiges an Deckkraft verloren, sind aber an wetterabgewandten Stellen teilweise noch gut erkennbar.

Der Sinn dieser Bemalungen ist allerdings nicht immer streng militärisch. So waren die Bemalungen der Schießstätte oder der Übungsbunker, die sich am Gelände eines Truppenübungsplatzes befanden, sicher nicht so wichtig wie der Tarnanstrich der Flaktürme oder des gezeigten Transformatorenbunkers.

Bild 1: An dieser ehemaligen Schießstätte der Wehrmacht in einem steirischen Wald ist die Tarnung in Gestalt mehrer schwach erkennbarer aufgemalter Bäume erhalten geblieben.

Bemalungen in Form von Bäumen an einer Schießstätte der Wehrmacht

Bild 2: Nahaufnahme

Bemalungen in Form von Bäumen an einer Schießstätte der Wehrmacht

Bild 3: Auch hier sind zwischen echten Bäumen mindestens drei gemalte zu erkennen.

Bemalungen in Form von Bäumen an einer Schießstätte der Wehrmacht

Bild 4: Weil die Schießstände …

Die Walle der Schießbahnen

Bild 5: … wie weithin sichtbare Fremdkörper aus dem Wald ragen …

Die Schießstätte wirkt wie ein Fremdkörper im Wald.

Bild 6: … wurden sie auch auf der Seite der Kugelfänge mit brauner Tarnfarbe bestrichen.

Kugelfang der Schießstätte, auch braune Farbreste sind erkennbar.

Bild 7: Dieser Übungsbunker, der während des Zweiten Weltkriegs am Gelände des Truppenübungsplatzes Bruckneudorf stand, der heute nicht mehr so weitläufig ist, trägt noch Reste des Tarnanstrichs.

Übungsbunker eines Truppenübungsplatzes

Bild 8: Die Bemalung sollte wohl eine Scheune oder einen Schuppen vorspiegeln.

Aufgemalte Strukturen sollten den Bunker als landwirtschaftliches Gebäude erscheinen lassen

Bild 9: Detail der Bemalung

Detail der Tarnbemalung

Bild 10: Dieser Übungsbunker wurde mit einer dreieckigen Scheinfassade ausgestattet und sogar mit einem aufgemalten hölzernen Tor versehen.

Dieser Bunker wurde mit einer dreieckigen Scheinfassade ausgestattet und diese sogar mit einem aufgemalten Tor und der Jahreszahl HT 1942 versehen.

Bild 11: Am Torbogen sind die Jahreszahl 1842 und die Initialen H.T. zu erkennen. Vermutlich wurde die Beschriftung hundert Jahre später – 1942 – angebracht.

Dieser Bunker wurde mit einer dreieckigen Scheinfassade ausgestattet und diese sogar mit einem aufgemalten Tor und der Jahreszahl HT 1942 versehen – Detail.

Bild 12: Ein anderer der Bunker erscheint als Häuschen, dessen aufgemalte Fenster erhalten geblieben sind. Ob damals auch Dächer aufgesetzt wurden, ist mir nicht bekannt.

Ein anderer Bunker erschien ebenfalls als Haus, die aufgemalten Fenster sind erhalten geblieben.

Bild 13: Wer sich dem Bunker nähert, erkennt bald die Fensterkreuze.

Ein anderer Bunker erschien ebenfalls als Haus, die aufgemalten Fenster sind erhalten geblieben.

Bild 14: Das Fenster in Großaufnahme. Relativ genau wurden die Details aufgemalt. Man begnügte sich nicht nur mit Andeutungen.

Das Fenster in Großaufnahme

Bild 15: Ein weiterer Bunker mit aufgemalten Fenstern, der als Haus erscheinen sollte.

Ein weiterer Bunker mit Fenstertarnung

Bild 16: Auch erd- und sandfarbene Anstriche kamen zwecks Tarnung zur Anwendung.

Auch sand- und erdfarbene Tarnanstriche kamen zur Anwendung.

Bild 17: Heute stehen die Übungsbunker frei in den Feldern.

Die Bunker liegen heute inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen.

Bild 18: Das Bild zeigt den Transformatorenbunker der unterirdischen A4-Triebswerkstestanlage und Sauerstoffproduktion mit dem Decknamen „Schlier“ in Oberösterreich. Dieser Betonkoloss wurde als Haus getarnt.

Der Transformatorenbunker liegt heute in einem Feld und lieferte einst den Strom für eine unterirdische V2-Triebwerks-Testanlage und Sauerstoffproduktion.

Bild 19: Die Reste des Tarnanstrichs sind mittlerweile stark verblasst und verwittert. Rechts neben der vermauerten Türöffnung sind braune Farbflächen zu erkennen. Vermutlich sollten sie entfernten Beobachtern die Wand eines Holzhauses vorgaukeln.

Der Tarnanstrich ist nur schlecht erhalten, hier rechts neben der Türe eine braune Wand, die eventuell damals Teil eines vorgegaukelten Holzhauses war.

Bild 20: Wie schon oben bei den Übungsbunkern zu sehen, wurde auch hier der Eindruck eines Wohnhauses mit schönen Fenstern hervorgerufen.

Fenster mit braunem Fensterkreuz

Bild 21: Aufgrund der jahrzehntelangen Verwitterung und landwirtschaftlichen Nachnutzung des Bauwerks ist von den Tarnanstrichen kaum etwas erhalten geblieben, hier die Reste eines weiteren Fensters.

Auch hier ist ein braunes Fensterkreuz der ehemaligen Tarnbemalung erkennbar.

Bild 22: Am Geschützturm im Wiener Augarten ist noch gut die dunkle bräunlich-grüne Tarnbemalung zu erkennen. Offensichtlich erkennt man hier gut die Wetterseite.

Am Geschützturm im Augarten ist noch heute die dunkle grünliche Tarnbemalung zu finden.

Bild 23: Unter der Geschützplattform ist der Anstrich relativ gut erkennbar, während er oberhalb, wo er Wind und Wetter ausgesetzt ist, nicht mehr vorhanden ist.

Am Geschützturm im Augarten ist noch heute die dunkle grünliche Tarnbemalung zu finden.

Bild 24: Nahaufnahme des Turms

Am Geschützturm im Augarten ist noch heute die dunkle grünliche Tarnbemalung zu finden.

Bild 25: Der Tarnanstrich formatfüllend

Formatfüllende Tarnfarbe

Bild 26: Auch am Leitturm im Augarten haben großflächig die Reste des Tarnanstrichs überdauert.

Auch der Leitturm im Augarten weist noch großfläche Spuren des Tarnanstrichs auf.

Bild 27: Vor allem unterhalb der Geschützplattform ist die Tarnung in ihrer ursprünglichen dunklen Färbung gut zu erkennen.

Vor allem direkt unter der abschirmenden Geschützplattform ist die Farbe gut erhalten geblieben.

Bild 28: Nahaufnahme des Anstrichs

Ostfassade des Leitturms

Bild 29: Die dunkle bräunlich-grüne Tarnfarbe formatfüllend

Die dunkle grünliche Tarnfarbe im Detail

Bild 30: Ansicht der Süd- und Ostseite des Turms, die Tarnfarben sind noch gut erhalten.

Gut erkennbare Reste des Tarnanstrichs an der Süd- und Ostseite des Turms

Möchtest Du Dich erkenntlich zeigen? Hier hast Du die Möglichkeit dazu.


Links und Literatur:


ARGE Schlier, online unter:
http://www.schlier.at/ (22. Mai 2021)


Interne Links:

Mehr zu den Jahren von 1939 bis Kriegsende:
1939 bis Kriegsende

Mehr zu den Flaktürmen:
Sisto Merisi
Mutter und Kind
Das Leitsystem im Flakturm

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