Worte im Dunkel

Zum Geleit


Worte im Dunkel – was bedeutet das?


In meinem Bilderblog zeige ich Beschriftungen, die Behörden, Militär, Industrie, Zwangsarbeiter und Zivilbevölkerung an verschiedensten Orten in Österreich zwischen 1932 und 1955 hinterlassen haben und noch heute zu finden sind. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Jahren von etwa 1943 bis 1945.

Die gezeigten Worte, Nummern und Zeichen, Zeichnungen und Malereien haben jedoch nicht nur gemein, an dunklen Orten wie Kellern, Stollen oder ehemaligen Luftschutzanlagen zu finden zu sein. Im übertragenen Sinn sprechen sie aus dem Dunkel der Geschichte und führen uns vor Augen, welche schweren Zeiten unsere Vorfahren zwischen 1918 und 1945 erlebt haben.
Seit Jahrzehnten warten die Worte im Dunkel darauf, ihre Geschichte erzählen zu dürfen. Auf meiner Website lasse ich sie sprechen.


Warum 1932? Und warum 1955?


Der Beginn des Zeitraums, den ich im Bilderblog behandle, liegt im Jahr 1932.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
Es war das Jahr, bevor Engelbert Dollfuß in Österreich das Parlament außer Kraft setzte und begann, sukzessive seine diktatorischen Vorstellungen für einen Ständestaat umzusetzen.
Andererseits war es in Deutschland das Jahr, bevor Adolf Hitler begann, die ihm innewohnenden diktatorischen Vorstellungen für Deutschland und Europa zu verwirklichen, was sich direkt auf die österreichische Politik und jedermanns Leben in den darauffolgenden Jahren auswirkte.

1932 war also das letzte volle Jahr sowohl der Ersten Österreichischen als auch der Ersten Deutschen Republik. Danach verzahnte sich die Geschichte beider Länder auf unheilvollste Weise durch die teils von Deutschland befohlenen NS-Terroranschläge und die letztendliche Übernahme Österreichs durch das Deutsche Reich. Im gleichen Maße, in dem sich der Faschismus breit machte, wurde die Demokratie abgebaut. Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie wieder errichtet.
Diese Phase des ausgeschalteten Volkswillens in Österreich zeigt die Gefährlichkeit der Staatsführung durch einen Einzelnen, vor allem wenn dieser, so wie Adolf Hitler, über keinerlei menschliche Größe verfügt.

1955 habe ich mir als das Ende des von mir behandelten Zeitraums ausgesucht, weil in diesem Jahr die letzten direkten militärischen Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs dank des Staatsvertrages offiziell zu Ende gingen. Die Besatzungssoldaten verließen das Land und Österreich blickte wieder frei und selbstständig seiner demokratischen Zukunft entgegen.


Ortsnennungen


Ich veröffentliche meine Bilder, ohne den genauen Ort zu nennen.
Manchmal verzichte ich auch darauf, den ungenauen Ort zu nennen.

Es ist eine schmerzliche Erfahrung der letzten Jahre, dass Plätze, an denen noch geschichtliche Spuren zu entdecken sind, innerhalb kürzester Zeit im Zuge von Vandalenakten zerstört werden, sobald sie zu bekannt werden.

Deshalb mache ich es mir auf meiner Website ganz einfach: Es gibt hier keine Ortsnennungen, manchmal gibt es ungenaue Angaben. Auch auf Anfrage werden keinerlei Informationen weitergegeben.

Ausnahmen gibt es nur für Behörden oder Institutionen, die gegebenenfalls ein geschichtliches oder ein Unterschutzstellungsinteresse bekunden.


Hakenkreuze und andere Symbole der NS-Zeit


Es ist ein schweres Erbe, das uns von den Nationalsozialisten mitgegeben wurde. Sie nahmen sich die Swastika, die in freundlichen Kulturen bis heute als Glücksbringer gilt, und formten sie im westlichen Kulturraum zu einem verzerrten Symbol für alles Böse auf der Welt.

Unter dem Hakenkreuz wurden Juden und Jüdinnen vertrieben und getötet, ebenso politisch unerwünschte Personen, Homosexuelle und Mitglieder von verschiedenen Religionsgemeinschaften.
Unter dem Hakenkreuz wurden Millionen deutscher Männer als Soldaten für Feldzüge missbraucht, die an jeder Front in unfassbaren Verbrechen an der Zivilbevölkerung und Kriegsgefangenen mündeten.
Unter dem Hakenkreuz wurde die Bevölkerung Europas mittels massiver Propaganda und einem ungeheuer repressiven Exekutivapparat unterdrückt und mit altbackenen Heimatvorstellungen indoktriniert.

Liest man sich das alles durch, so verwundert es, dass die Ideologie hinter dem Hakenkreuz sich noch heute in rückwärtsgewandten Kreisen so hoher Beliebtheit erfreut.

Ich erfreue mich allerdings nicht daran. Ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, dass die meisten jungen Soldaten, die in Wehrmachtsuniform gekämpft haben, nicht als Helden, sondern als Missbrauchsopfer zu sehen sind. Ich bin sicher, die meisten von ihnen, die für Volk, Reich und Führer in die Schlacht gezogen sind, wären besser im Zivilleben aufgehoben gewesen. Führer und Reich missbrauchten Ehre und Treue der Soldaten für die Verwirklichung fehlgeleiteter Allmachtsfantasien und den Schutz einer deutschrassischen Illusion. Diese rassischen Vorstellungen waren damals zwar auch in anderen Parteien als der NSDAP allgegenwärtig, aber erst der gekränkte Charakter Hitlers formte den Irrglauben zum Massenmord. Aus normalen Männern, unseren Vätern, Großvätern und Urgroßvätern, wurden Mörder und Folterknechte eines Verbrecherregimes.

Sollten Sie hier auf meinen Seiten also ein Hakenkreuz entdecken, so seien Sie sich dessen sicher, dass es sich nicht um Wiederbetätigung handelt. Ganz im Gegenteil.