1943 bis 1945 – Das Leitsystem im Flakturm

In den nächsten Wochen beziehungsweise Monaten werde ich einige kürzere Beiträge veröffentlichen oder solche, die nur Bilder zum Inhalt haben. Heute zeige ich anhand der erhaltenen Beschriftungen im Flakleitturm Arenbergpark, welchen Weg die Zivilbevölkerung im Turm nehmen musste, um zu den Schutzräumen zu gelangen. Diese Fotos entstanden, als sich mir vor einigen Jahren die Gelegenheit bot, den Archäologen und Historiker Marcello La Speranza bei einer Grabung im Turm unterstützen zu dürfen.


Der Weg zu den Schutzräumen


Bild 1: Betraten die Menschen durch den Haupteingang, der für die Zivilbevölkerung vorgesehen war, den Turm, so bot sich ihnen als erstes diese Wahlmöglichkeit. Für Mütter mit Kindern waren eigene Räume vorgesehen.

Im Eingangsbereich des Turms

Bild 2: Die zivilen Luftschutzräume waren zwischen zweitem und sechstem Stockwerk eingerichtet worden – mit Ausnahme des dritten Stocks, wo sich die Technikräume befanden. Auch in der Produktionshalle der Seitz-Werke, eines aus Deutschland verlagerten Rüstungsbetriebs, konnten der Bevölkerung keine Schutzräume zur Verfügung gestellt werden. Die oberen beiden Geschoße waren für die militärische Nutzung konzipiert worden. Um zu vermeiden, dass Soldaten und Zivilisten durcheinander laufen und die Bevölkerung in Kontakt mit militärischen Informationen kommt, war es den Luftschutzsuchenden ausnahmslos verboten, sich in der Vorhalle im Erdgeschoß aufzuhalten. Soldaten, die den Turm durch einen eigenen Eingang betraten, mussten hier zwangsläufig durchgehen.

Hinweis in der Vorhalle im Erdgeschoß – der Aufenthalt war hier für Luftschutzsuchende ausnahmslos verboten.

Bild 3: Mütter mit Kindern folgten dem eigens markierten Weg zu ihren Schutzräumen.

Wegweiser im Stiegenhaus zu den Mutter-und-Kind-Bereichen
Wegweiser im Stiegenhaus zu den Mutter-und-Kind-Bereichen

Bild 5: Es gab mehrere Stiegenaufgänge und in der Mitte einen Aufzug der Firma Sowitsch. Die Rettungsstelle, die der Verarztung kleinerer Blessuren oder der Behandlung von akuten Erkrankungen oder Kreislaufzusammenbrüchen diente, befand sich bei der zweiten Stiege.

Für medizinische Notfälle oder kleinere Verarztungen gab es eine Rettungsstelle.

Bild 6: Die Schutzsuchenden folgten den Wegweisern über die Stiege. Im zweiten Stock bot sich ihnen dieses Bild.

Hinweis im Stiegenhaus – militärische oder von der Industrie verwendete Bereiche durften von der Zivilbevölkerung nicht betreten werden.
Diese Türe durfte nur von Hausangehörigen durchschritten werden.

Bild 8: Im dritten Stock befand sich der Lüftungsraum, der nur von Hausangehörigen betreten werden durfte. Aufgrund der enormen Massen – hunderte Menschen drängten sich hier – mussten sie möglichst zügig den Weg im Turm bewältigen. Die Hinweise „Nicht stehen bleiben“ und „Rasch gehen“ zeugen noch von den Bemühungen, Staus in der Menschenschlange zu vermeiden.

Leitsystem und Verhaltensanweisungen für die Zivilbevölkerung im dritten Stock
Leitsystem und Verhaltensanweisungen für die Zivilbevölkerung im dritten Stock

Bild 10: Die Schutzräume im vierten Stock dienten zwar grundsätzlich der Aufnahme ziviler Schutzsuchender, allerdings waren hier auch für die Gestapo und die NSDAP reservierte Räume. In diesen Bereichen mussten die Menschen am Gang sitzen.

Kennzeichnung der Schutzräume im vierten Stock

Bild 11: Die Lüftungsanlage war voll damit ausgelastet, frische Atemluft für tausende Schutzsuchende bereitzustellen. Rauchen war deshalb im gesamten Turm verboten.

In den Schutzräumen war das Rauchen verboten.

In den Schutzräumen angekommen harrten die Menschen nun, nachdem sie einen Platz gefunden hatten, meist mehrere Stunden aus, bis die Alarmierung aufgehoben wurde. Konnte jemand nicht mehr im Turm aufgenommen werden, so musste er in den umliegenden Luftschutzkellern um Einlass bitten.

Möchtest Du Dich erkenntlich zeigen? Hier hast Du die Möglichkeit dazu.


Links und Literatur:


VHS Landstraße, Landstraßer Protokolle, Vortrag von Mag. Thomas Pototschnig: 14/III 1945 – Spuren der Zwangsarbeit, online unter:
https://www.vhs.at/files/downloads/TqLOte9rzy6CvfPEbr5Z9ujj4MPIxpnlai621Mf8.pdf (25. April 2021)

Marcello La Speranza, Flakturm-Archäologie. Ein Fundbuch zu den Wiener Festungsbauwerken (Berlin 2012)


Interne Links:

Mehr zu den Jahren von 1939 bis Kriegsende:
1939 bis Kriegsende

Mehr Beiträge zu den Flaktürmen:

1945 – Sisto Merisi
1943 bis 1945 – Mutter und Kind

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