1941 bis 1945 – Die Seilbahn zum Bergwerk

Zeugnisse der Zwangsarbeit sind noch heute zu entdecken – sogar dort, wo man sie ohne Vorkenntnisse gar nicht vermuten würde: mitten in den Bergen. In einem beschaulichen Tal in Tirol, an dessen Ende der Fußstein auf eine Höhe von 3380 Metern hinaufragt, findet sich ein solches Zeugnis. Zwangsarbeiter haben hier zwischen 1942 und 1945 an der Er- und Einrichtung eines Molybdänbergwerks gearbeitet. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der zum Betrieb des Bergwerks notwendigen Seilbahn, die einerseits zum Abtransport des in den Stollen abgebauten Erzes und andererseits zur Versorgung des Betriebs und der Arbeiter mit Material und Nahrungsmitteln errichtet wurde. Zum größten Teil erstellte ich den Text mit Zitaten aus den Originalakten der mit dem Projekt befassten Stellen.


Die Anfänge


Der Startschuss zum Abbau des kriegswichtigen Molybdäns, das zur Herstellung von gehärtetem Stahl verwendet wurde, fiel in den Zeitraum 1941/1942, als das Deutsche Reich seine größte Ausbreitung erreicht hatte und die Kriegsproduktion entsprechende Höchstleistungen zeigte. Das Metall Molybdän fand als Zusatzstoff in Stahllegierungen Verwendung, um dessen Härte, Hitze- und Korrosionsbeständigkeit zu erhöhen.

Sockel bei der Talstation
Sockel der Zweiseilbahn bei der Talstation
Seilbahnsockel zwischen Talstation und Hoher Kirche
Seilbahnsockel zwischen Talstation und Hoher Kirche

Am 2. Jänner 1942 schrieb der Reichswirtschaftsminister an den Reichsminister der Finanzen:

„Durch die kriegsbedingten Verhältnisse […] gelang es der Reichsstelle für Bodenforschung erst im Sommer des vergangenen Jahres, die Arbeiten in Gang zu setzen, nachdem sich das OKW [Oberkommando der Wehrmacht] wegen des bedrohlich zunehmenden Molybdänmangels stärkstens für die Aufnahme der Arbeiten eingesetzt hatte.“[1]

Seilbahnsockel zwischen Talstation und Hoher Kirche
Seilbahnsockel kurz vor dem Kuppenübergang, wo sich die Mittelstation befindet
Seilbahnfundament unterhalb der Hohen Kirche
Das gleiche Fundament in Richtung Tal betrachtet

Angesichts des Mangels an Molybdän war es den Verantwortlichen völlig gleichgültig, ob der Abbau dieses Metalls überhaupt wirtschaftlich war. Vereinfacht ausgedrückt war also das bloße Vorhandensein von Molybdän dort bekannt, weshalb man es für die Sicherstellung der Stahlproduktion abbauen wollte/musste, koste es, was es wolle.

Mittelstation
Mittelstation am Kuppenübergang unterhalb des Gipfels der Hohen Kirche auf einer Seehöhe von etwa 2350 Metern

So nahm die Auffahrung des Bergwerks, die Einrichtung der Baustelle mit den Arbeiterunterkünften und die Errichtung der notwendigen Infrastruktur im Laufe des Jahres 1942 ihren Lauf. Wie im einleitenden Absatz bereits erwähnt, konzentriere ich mich in diesem Artikel auf die Seilbahn, die zwischen Tal- und Bergstation angelegt wurde.

Mittelstation
Widerlager der Mittelstation

Mit der Planung der Zweiseilbahn wurde 1942 die Firma Pohlig Seilbahnbau aus Köln beauftragt. Diese Firma stellte bis zur geplanten Inbetriebnahme der Seilbahn die Versorgung der Baustellen mittels einer Hilfsseilbahn sicher, die durch die Aneinanderreihung von Seilzügen bewerkstelligt wurde.
Die Bauarbeiten an der Zweiseilbahn führte im Abschnitt von der Talstation bis zum Kuppenübergang die Firma Wayss & Freytag mit Sitz in Innsbruck und München durch, wofür unter anderem italienische Zivilarbeiter und Ostarbeiter zum Einsatz kamen. Für die Errichtung der restlichen Seilbahnstrecke bis zur Bergstation wurde die Firma Baumeister Fritz beauftragt.[2]

Mittelstation
Mittelstation


Berichte vom Baufortschritt zwischen 1942 und 1945


In einem „Gutachten über das Molybdänvorkommen an der Alpeiner Scharte“ vom 6. März 1942 der Bergwirtschaftsstelle des Oberbergamts Freiberg/Sachsen hieß es zur vorläufigen Planung der Seilbahn:

„Für den Transport für Material und Erz zwischen Alpeiner Scharte und Touristenrast [ein Quartier nahe der Talstation] wird eine Seilbahn von 7 km Länge vorgesehen. Die Kosten für diese Einseilbahn sind mit etwa 50000 RM/km anzunehmen.
An Bedienungsmannschaft sind erforderlich: 2 Mann zum Verladen, 2 Maschinisten, 1 Aufsichtsperson.
Die Kosten der Seilbahn würden mit rd. 350000 RM einzusetzen sein.
Vor der Fertigstellung der Seilbahn sind von der Bahnstation bis zur Geraer Hütte teilweise Fuhrwerks-, zur Alpeiner Scharte nur Tragtiertransporte möglich. An Kosten sind für diese Transporte 0,6 RM/kg einzusetzen.“[3]

Mittelstation
Mittelstation

Letztendlich wurde jedoch einer Zweiseilbahn der Vorzug gegeben, die sich – wie etwas weiter unten nachzulesen ist – um einiges kostenintensiver zu Buche schlug. Um Transporte zwischen Tal und Bergwerk durchzuführen, wurden anfangs tatsächlich Mulis eingesetzt, die nach Fertigstellung der Seilzüge von diesen abgelöst wurden.

Mittelstation
Widerlager der Mittelstation

In einem „Betriebsplan für den Bergbaubetrieb Alpeinerscharte der Tiroler Erzbergbauges.m.b.H., St. Jodok“ vom 31. Dezember 1943 wurde der Stand der Arbeiten an der Seilbahn geschildert:

„Die Verbindung des Stollns [sic!] mit der Talstation erfolgte seit Juni 1942 durch fünf mit Benzinmotoren angetriebene Seilzüge, Bauart Pohlig, die, nachdem sie eine Reihe von Verbesserungen erfahren hatten, eine klaglose Verbindung zwischen der Bergstation und dem Tal hergestellt haben. Der hohe Benzinverbrauch der Seilbahn, der nicht mehr gedeckt werden konnte, veranlasste uns, die Seilzüge auf elektrischen Betrieb umzubauen. Der Umbau war im Juni 1943 beendet.
Die endgiltige Seilbahnanlage, die den Bergbau mit der Aufbereitung verbindet, wurde im Jahre 1943 programmgemäss so weit fertiggestellt, dass sämtliche Stützen aufgebaut und der Übergang über die ‚Hohe Kirche‘, der grosse Sprengungen und Betonarbeiten erforderte, zum grössten Teil fertiggestellt war.“[4]

Mittelstation
Mittelstation

Im gleichen Betriebsplan beabsichtigte die Tiroler Erzbergbaugesellschaft für 1944 die Fertigstellung der Bergstation der Seilbahn:

„Die im Bergbau gewonnenen Erze werden durch einen Zubringerstolln in unterirdisch angelegte Bunker gekippt, von denen das Erz mittels Drehschieber in die Förderwagen der Seilbahn abgefüllt wird. Der Umlauf der Wagen, die Füllschnauzen, sowie auch eine Verladestation für Wagen, die vom Tal zum Berge transportiert werden, befinden sich wegen Steinschlaggefahr und Frost unterirdisch und müssen ausgesprengt werden. Die mit der Seilbahn ankommenden Waren, die für den Bergbau bestimmt sind, werden in einem ebenfalls unterirdisch angelegten Schrägschacht mittels einer Haspel zur Stollnsohle hochgebracht.“[5]

Die Kosten der Errichtung der Seilbahn wurden mit 1,191 Millionen Reichsmark angegeben, wovon 526.000 auf das Bauvorhaben entfielen, 501.000 auf Maschinen und maschinelle Anlagen sowie 164.000 für Sonstiges eingerechnet wurden.[6]

Mittelstation
Mittelstation

Doch auch daraus wurde nichts. Die widrigen Bedingungen im Hochgebirge und die Frage, ob das Projekt nicht einzustellen sei, behinderten einen planmäßigen Fortschritt der Arbeiten. Zwischen 13. und 20. Juni 1944 erfolgte eine Begehung des Bergbaus an der Alpeiner Scharte durch Vertreter des Reichsamts für Bodenforschung Wien und des Oberbergamts Freiberg/Sachsen. Im dazugehörigen Bericht geht der Verfasser auch auf den Zustand der Seilbahn ein:

„Die Seilbahnbergstation ist von allen Teilen der Seilbahnanlage noch am weitesten zurück. Vor allem haben sich infolge des langen Nachwinters die Schwierigkeiten der Schottergewinnung verzögernd ausgewirkt. Da erst jetzt daran gegangen werden kann, die tiefverschneite Schottergewinnungs- und Betonmischanlage bei Station 5 auszugraben, war es bisher nötig, aus der Stollnhalde geeigneten Betonsplitt zu gewinnen. Zur Zeit wird an dem Fundament für den untersten Bogen gearbeitet. Die Ausmauerung der Seilbahneinführungsstolln ist nahezu beendet, die Wölbung der Portale ist im Gange.

In der Talstation ist die Montage der Eisenkonstruktionen weit fortgeschritten. Ein großer Teil der Tragseile ist bis zur Stütze 6 ausgezogen. Die Montage am Kuppenübergang [unterhalb der Hohen Kirche] auf der kleinen Kirche ist beendet. Mit Ausnahme einer einzigen, ist die Montage sämtlicher Stützen beendet. Die Stützen müssen nur noch ausgerichtet und vergossen werden.

Da nach Angaben von Montageleiter Emrich der Fa. Pohlig die Bauzeit der Seilbahn wesentlich verkürzt werden kann, wenn die Tragseile für den oberen Teil der Seilbahn im Alpeiner Teil ausgetragen und dann zur kleinen Kirche aufgezogen werden, hat man sich für dieses Verfahren entschlossen. Allerdings werden dazu rd. 100 Mann für etwa 14 Tage bis 3 Wochen benötigt. Architekt Guth hofft, für die Abgabe von 15 Bauarbeitern für das ‚Jägerprogramm‘ solange Aufschub zu erhalten, bis diese Arbeiten beendet sind. Falls keine wesentlichen Verzögerungen auftreten, hofft man, Ende Oktober bis November die Seilbahn in Betrieb nehmen zu können.“[7]

Seilbahnsockel unterhalb der Bergstation mit zwei Stahlseilen
Seilbahnsockel unterhalb der Bergstation mit den 1944 ausgelegten Stahlseilen

Hier ist gut erkennbar, wie eng das Netz des Arbeitseinsatzes gewoben war. Jeder nicht unbedingt an einer Baustelle benötigte Arbeiter wurde sofort für ein anderes Projekt eingesetzt. In diesem Fall mussten 15 Arbeiter für das Jägerprogramm, also die vordringliche Fertigung von Jagdflugzeugen, abgestellt werden, sofern die Baufirmen an der Alpeiner Scharte nicht ihren kriegswichtigen Einsatz nachweisen konnten.

Seilbahnsockel unterhalb der Bergstationmit zwei Stahlseilen
Seilbahnsockel unterhalb der Bergstation mit den beiden Stahlseilen

Als zur Feststellung der tatsächlich vorhandenen Erzmengen ein Vertreter des Oberbergamts Freiberg/Sachsen zwischen 16. und 18. September 1944 die Stollen inspizierte, stellte er bezüglich der Seilbahn fest:

„Die Montage der Talstation mit Ausnahme des Antriebs ist fertig. An dem Einlaufbauwerk der Bergstation ist noch eine Pendelstütze mit den nötigen Verstrebungen aufzustellen. Auf dem Kuppenübergang sind die Montagearbeiten ebenfalls noch nicht vollkommen beendet. Die Tragseile sind bereits zum größten Teil ausgetragen und aufgelegt.
Zur Fertigstellung der Montagearbeiten einsch[ließlich] Austragen und Auflegen des Restes des Tragseils und des Zugseils werden noch 380 Facharbeiterschichten und rd. 4100 Hilfsarbeiterschichten benötigt. Für das Ausrichten der Stützen und Vergießen der Fundamente der Stützen der Bergstation, des Kuppenüberganges und der Talstation werden noch rd. 70 Facharbeiterschichten und 120 Hilfsarbeiterschichten benötigt. Insgesamt sind somit mit Stand vom 18.9.1944 bis zur Inbetriebnahme der Seilbahn noch rd. 450 Facharbeiterschichten und 4220 Hilfsarbeiterschichten zu verfahren. Diese Arbeiten sind in vollem Gange.
Nach Mitteilung der Betriebsleitung […] werden die Bauarbeiten in der Aufbereitung bis 1.10.1944 beendet und bis zum 15.11.1944 die Seilbahn betriebsfähig sein.“[8]

Bergstation, am linken Bildrand die Hohe Kirche, wo sich die Mittelstation befindet
Bergstation auf knapp 2800 Metern Seehöhe – am linken unteren Bildrand ist die Hohe Kirche zu erkennen, wo sich die Mittelstation befindet

Die Vorhaben konnten jedoch nicht eingehalten werden. Im neuen Betriebsplan vom 27. Jänner 1945 heißt es:

„Von den Übertagearbeiten ist vor allem die Fertigstellung der Seilbahn wichtig. Leider ist durch die Verzögerung, die mit den Stillegungsverhandlungen verknüpft war, eine zweimonatliche Unterbrechung der Montage, insbesondere der Bergstation, eingetreten und es sind nun diese Arbeiten vor Einbruch des Winters nicht fertig geworden. Es muß nun mit dieser Montage, insbesondere mit der Aufstellung der letzten Pendelstütze, gewartet werden, bis der strengste Winter vorüber ist, also mindest bis April.“[9]

Blick von der Bergstation zur Mittelstation
Blick von der Bergstation zur Mittelstation

Die erwähnten Stilllegungsverhandlungen ergaben sich aus der Änderung der Gesamtlage, sowohl bedingt durch den Kriegsverlauf als auch die damit verbundenen Änderungen in den Anforderungen an die Kriegsproduktion. Da die Prognosen der zu erwartenden Abbaumenge von Molybdän in der Alpeiner Scharte laufend geringer wurden und gleichzeitig die von der Kriegswirtschaft benötigten Mengen dieses Metalls immer weiter sanken, wurde im Sommer und Herbst 1944 die Frage verhandelt, ob eine Stilllegung und Auflassung dieses Abbauorts nicht sinnvoller und wirtschaftlicher wäre. Dennoch wurde nach einer mehrmonatigen Pause weitergearbeitet. Bis Kriegsende wurden die Arbeiten jedoch nicht mehr fertiggestellt. Letztendlich wurden über sechs Millionen Reichsmark in der Projekt investiert, ohne nur ein Gramm Molybdän abgebaut zu haben.

Bergstation
Bergstation unterhalb der Alpeiner Scharte

In einem Schreiben Oberbergrats Werner Hentrich vom 26. Februar 1945 klingt es nun ganz gegenteilig zu dem ganz oben mit Fußnote 1 zitierten Schreiben. Als Ergebnis einer Besprechung mit dem Leiter der Amtsgruppe Bergbau des Rohstoffamts des Reichsministeriums für Rüstung und Kriegsproduktion Lücke und dem Geschäftsführer der Fachgruppe Metallerzbergbau Wennerscheid, hielt er fest:

„Ich habe die Herren davon unterrichtet, daß infolge der Auswirkungen des Lawinenunglückes wie auch der kriegsbedingten Verzögerungen in der Fertigstellung der Betriebsanlagen mit der Aufnahme der Förderung nicht vor Mitte 1945 gerechnet werden könne. Da die Anlagen jedoch bereits zum weitaus größten Teil fertiggestellt seien und es kaum vertretbar erscheine, den Ausbau eines kriegswichtigen Bergbaubetriebes mit jahrelanger Anlaufzeit kurz vor der Aufnahme der Förderung abzustoppen, beabsichtige der Reichwirtschaftsminister, die zur Vollendung des Ausbaues angeforderten zusätzlichen Mittel von RM 1,2 Millionen zur Verfügung zu stellen, obwohl nicht sicher sei, daß die Produktion noch der Kriegführung zugute komme. Die Herren erklärten mir, daß sie gegen die Vollendung des Ausbaues der Grube Alpeiner Scharte nichts einzuwenden hätten, obwohl der Bedarf an Molybdän wegen des Rückganges der Eisenerzeugung ebenfalls sehr zurückgegangen sei und an diesem Stahlveredler z[ur] Z[ei]t kein besonderer Mangel bestehe.
[…]
Dipl. Ing. Wennerscheid teilte mir fernmündlich mit, daß in einer gestern stattgefundenen Besprechung über die Gestaltung der Metallerzeugung in den nächsten Monaten (Hüttenprogramm) von maßgebender Seite darauf hingewiesen worden sei, daß die jetzige Erzeugung und die Vorräte an Molybdän den stark eingeschränkten Bedarf auf sehr lange Zeit hinaus deckten. Z[ur] Z[ei]t bestehe keinerlei Mangel an Molybdän; die Pläne zur Steigerung der Molybdänerzeugung, zu denen auch der Ausbau der Alpeiner Scharte gehört, seien daher gegenwärtig keinesfalls besonders vordringlich.“[10]

Seilbahngondel der Behelfsseilbahn
Seilbahngondel, die im Geröll gefunden wurde


Einige Daten zur Seilbahn


Art der Seilbahn: Zweiseil-Umlaufbahn mit automatisch kuppelbaren Betriebsmitteln
Horizontale Entfernung zwischen Tal- und Bergstation: 4.970 Meter
Höhendifferenz zwischen Tal- und Bergstation: 1.424 Meter
Anzahl der Stützen zwischen Tal- und Mittelstation: 11
Anzahl der Stützen zwischen Mittel- und Bergstation: 12
Ausführung der Stützen: Stahlgittermasten
Längste Seildistanz ohne Stützen: 1.943 Meter direkt nach dem Kuppenübergang bis zur ersten Stütze am Geröllfeld des Alpeiner Ferner.
Seile:
Tragseil: 32 Millimeter Durchmesser
Zugseil: 27 Millimeter Durchmesser[11]


Die Unterkünfte der Zwangsarbeiter


Ab August 1942 begann die Firma Wayss & Freytag, die den Auftrag zur Errichtung der Materialseilbahn und der Erzaufbereitungsanlage bekommen hatte, die Baracken für ihre Arbeiter in Innervals aufzustellen. Hier wurden in weiterer Folge Ostarbeiter und Italiener untergebracht.
Ein weiteres Lager war in Außervals entstanden. Es diente der Aufnahme von Kriegsgefangenen, die für den Bau der Infrastruktur wie Straßen oder Kabelverlegungen eingesetzt wurden.

Die Arbeiter, die an der Auffahrung des Bergwerks selbst zum Einsatz kamen, waren in der Geraer Hütte auf etwa 2300 Metern Seehöhe untergebracht, von wo der Aufstieg zum Mundloch aber je nach Witterung bis zu zwei Stunden betragen konnte. Ab Februar 1943 zogen sie deshalb in die Stollensiedlung um, die direkt unterhalb des Mundloches auf circa 2750 Metern Seehöhe errichtet worden war und aus drei Baracken bestand – eine Wirtschafts- und zwei Wohnbaracken. Hier lebten nun etwa 150 Arbeiter, die zum größten Teil im Stollenvortrieb eingesetzt wurden. Mit Stichtag 11. November 1944 lebten hier 73 Ostarbeiter, 27 Italiener, 34 Deutsche und neun Franzosen. An diesem Tag fegte eine Staublawine über die Siedlung hinweg und zerstörte sie zum größten Teil. Die Zahl der Todesopfer betrug gesamt 22, die meisten von ihnen waren Ostarbeiter.


Die Mahnung von 1944

Russische Kriegsgefangen arbeiteten zwischen 1942 und 1944 an der Errichtung der Seilbahn
Russische Zwangsarbeiter hinterließen ihre Worte

Auf einem der Sockel der Seilbahn haben am 27. September 1944 russische Zwangsarbeiter ihre Botschaft an die Nachwelt in den Beton geritzt und mit ihren Initialen versehen:

„27.9.1944
Здесь рабомали русские рабочие из 1942 года по 1944 год
И.В.
М.Д.С.“

Deutsche Übersetzung:

„27.9.1944
Hier wurden russische Arbeiter von 1942 bis 1944 versklavt
I.V.
M.D.S“

oder

„27.9.1944
Hier arbeiteten russische Sklaven/Zwangsarbeiter von 1942 bis 1944
I.V.
M.D.S.“


Fußnoten:


[1] Zitiert nach: Johannes Breit, Der Molybdänbergbau unter der Alpeiner Scharte 1941–1945 (Absam 2009), S. 5.

[2] Gerhard A. Stadler, … hat man alle Regeln der Bergwirtschaft fallen gelassen … Der Molybdänbergbau der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft in den Zillertaler Alpen 1940–1945. Ein Forschungsbericht. In: Blätter für Technikgeschichte Bd. 77/2015, herausgegeben im Auftrag des Technischen Museums Wien (Wien 2015), S. 145.

[3] SächsStA-F, 40105 Sachsenerz Bergwerks GmbH/AG, Nr. 1-722, Gutachten über das Molybdänvorkommen an der Alpeiner Scharte, S. 10.

[4] BArch R 3101/30406 Bl. 9f.

[5] BArch R 3101/30406 Bl. 16.

[6] BArch R 3101/30406 Bl. 21.

[7] SächsStA-F, 40105 Sachsenerz Bergwerks GmbH/AG, Nr. 1-624, Abschrift eines Berichts über eine Befahrung des Bergbaus Alpeiner Scharte in der Zeit vom 13.–20.6.1944, S. 3f.

[8] SächsStA-F, 40105 Sachsenerz Bergwerks GmbH/AG, Nr. 1-721, Erhebungen über die Aussichten des Molybdänerzbergbaues auf der Alpeiner Scharte der Tiroler Erzbergbau G.m.b.H. in St. Jodok, S. 1f.

[9] BArch R 3101/30875 Bl. 41.

[10] BArch R 3101/30767 Bl. 9f.

[11] Stadler, … hat man alle Regeln, S. 145.


Literatur:


Johannes Breit, Der Molybdänbergbau unter der Alpeiner Scharte 1941–1945 (Absam 2009)

Gerhard A. Stadler, … hat man alle Regeln der Bergwirtschaft fallen gelassen … Der Molybdänbergbau der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft in den Zillertaler Alpen 1940–1945. Ein Forschungsbericht. In: Blätter für Technikgeschichte Bd. 77/2015, herausgegeben im Auftrag des Technischen Museums Wien (Wien 2015), S. 123–153.


Interner Link:

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