1940 bis 1945 – Die „Glücklichkeit“ im Luftschutzkeller

Als in Österreich mit Herbst 1943 die strategischen Luftangriffe einsetzten, trafen sie die Zivilbevölkerung zwar unerwartet, aber nicht unvorbereitet. 1935 war bereits der Österreichische Luftschutzbund (ÖLB) gegründet worden, der Verhaltensregeln und Maßnahmen im Luftschutzkeller definierte.
1938 wurde der ÖLB vom deutschen Reichsluftschutzbund (RLB) übernommen, der dessen Arbeit nahtlos fortsetzte. Zuständig für Angelegenheiten des Luftschutzes war der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring, der den RLB 1933 gegründet hatte.

Um die Bevölkerung an die Gefahren zu gewöhnen, die sie im Luftkrieg zu erwarten hatten, veröffentlichte der RLB – und zuvor schon der ÖLB – zahlreiche Zeitschriften und Broschüren. In Luftschutzübungen konnten die Leute ihr bisher theoretisches Wissen in der Praxis festigen.
Dennoch war der Aufenthalt im Luftschutzkeller immer mit Angst und der bangen Frage verbunden, ob das Haus, in dessen Keller man saß, und seine Bewohner dieses Bombardement unbeschadet überstehen würden.

Plakat am Eingang zu einem Luftschutzkeller
Mit solchen Plakaten wollte man den Luftschutzgedanken im Alltag der Zivilbevölkerung verankern und ihm den Schrecken nehmen

Um den Menschen die Angst zu nehmen, ihnen Struktur zu geben und den Luftschutz in den Alltag zu integrieren, wurden Merkblätter, Vorschriften, Ordnungstafeln und „humorvolle“ Sinnsprüche wie jener im Bild zum Aushang gebracht. Sinn war wohl, in den Köpfen der Bevölkerung das Bewusstsein zu schaffen, dass im Luftschutzkeller alle gleich wären und jeder seine Aufgabe hätte. Dieser Spruch richtete sich augenscheinlich an jene Damen, die eventuell aus Statusgründen oder aus Abscheu vor den Kellergefilden ihre Aufgaben nicht wahrnehmen wollten – oben als „Miese“ bezeichnet und an der eleganteren Bekleidung erkennbar.

Der Text am Plakat lautet:
„Wenn alle glücklich sich geeinigt,
wer nun den Luftschutzkeller reinigt,
dann hat die Miese niemals Zeit!
Doch muß sie nachts mal in den Keller,
dann schnurrt ihr Mundwerk wie’n Propeller,
ob mangelhafter Sauberkeit!“

Leider hat die Substanz des Plakats in den vergangenen Jahrzehnten durch seine exponierte Lage an der Außenseite einer Wiener Kellertür stark gelitten. Viel ist vom Bild nicht mehr zu erkennen. Bei meinen Recherchen konnte ich in einer digitalisierten Ausgabe der Litzmannstädter Zeitung das gleiche Motiv in schwarz-weiß finden.

Zeitungsausschnitt aus der Litzmannstädter Zeitung vom 5. März 1944
Zeitungsausschnitt aus der Litzmannstädter Zeitung vom 5. März 1944

Quelle des Zeitungsausschnitts:
Biblioteka Cyfrowa
Regionalia Ziemii Łódzkiej
przy Wojewódzkiej Bibliotece Publicznej w Łodzi,
Litzmannstädter Zeitung vom 5. März 1944, online unter:
http://bc.wbp.lodz.pl/Content/29732/Litzmannstadter%20Zeitung%201944%20kw%20I%20Nr%20065.pdf (14. Dezember 2019)

Mehr zum Luftschutz:
https://www.worteimdunkel.at/?p=3487
https://www.worteimdunkel.at/?page_id=490#luftschutz

Mehr zu den Jahren von 1939 bis Kriegsende:
https://www.worteimdunkel.at/?page_id=1343

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.