1941 – Deutsch-italienische Kooperation bis 1941

Dieser Beitrag wurde am 21. Juli 2020 überarbeitet.

Im Jahr 1941 war die Welt aus Sicht der Achsenmächte noch in Ordnung. Deutschland siegte an allen Fronten, die politische und wirtschaftliche Koexistenz mit Italien war auf den dazugehörigen Vertragspapieren als fruchtbar zu bezeichnen. Schönheitsfehler, wie die ungeplante militärische Beihilfe Deutschlands infolge des peinlichen Desasters Italiens beim Versuch Griechenland zu überfallen, trübten das Bild nur wenig. Wie sich die Allianz zwischen Deutschland und Italien im Laufe der Jahre entwickelte, zeigt dieser Artikel.


Die deutsch-italienischen Beziehungen bis 1936


Bis Anfang 1936 verfolgten Deutschland und Italien ihre eigenen politischen Wege. Während Adolf Hitler Österreich dem Deutschen Reich einverleiben wollte, positionierte sich Benito Mussolini mit Italien als österreichische Schutzmacht. Noch am 17. März 1934 unterzeichneten Österreich und Italien die „Römischen Protokolle“, die das wirtschaftliche Bündnis zwischen den beiden Ländern regelten. Als im Juli 1934 der nationalsozialistische Putschversuch in Österreich stattfand, im Zuge dessen Engelbert Dollfuß getötet wurde, bewies Italien Zusammenhalt und richtete durch den Aufmarsch von Truppen am Brenner eine Drohgeste gen Deutschland. Hitler verstand und distanzierte sich von den österreichischen Nationalsozialisten, die nun keine Hilfe aus Deutschland mehr zu erwarten hatten.

Dennoch wurde im gleichen Jahr das erste größere Wirtschaftsabkommen zwischen Deutschland und Italien gültig – das Clearing-Abkommen vom 1. Oktober 1934, das den Austausch von Wirtschaftsgütern regelte.
Im April 1935 formulierte Italien gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien eine Erklärung über die weitere Souveränität Österreichs und gegen die Aufrüstung Deutschlands. Hitler und Mussolini standen also aus politischer Sicht nicht auf der gleichen Seite.

„Die Vertreter der drei Regierungen [Italien, Frankreich, Großbritannien/TK] haben eine neue Prüfung der österreichischen Lage vorgenommen. Sie bestätigen die englisch-französisch-italienischen Erklärungen vom 17. Februar und 27. September 1934, wobei die drei Regierungen anerkannt hatten, daß die Notwendigkeit der Erhaltung der Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit Österreichs ihre gemeinsame Politik leiten wird.“[1]

Doch dann entschloss sich Mussolini dazu, seinen Machtbereich durch die Erweiterung der italienischen Kolonien zu vergrößern – das römische Weltreich sollte auferstehen. 1934 erklärte er Libyen zur Kolonie und im Oktober 1935 erfolgte der militärische Angriff auf Abessinien, der jedoch nicht zuletzt wegen der Verwendung von Giftgas Empörung bei den europäischen Mächten auslöste und Italien isolierte. Mussolini benötigte also neue Bündnispartner, wollte er seine Kolonialisierungspläne weiter umsetzen. Um Deutschland als Verbündeten zu gewinnen, musste Mussolini Zugeständnisse machen. Er nahm deshalb ab Anfang 1936 eine neue Position ein: Österreich als deutscher Satellitenstaat sei nun vorstellbar.


1936 bis 1941 – Abkommen, Päkte und Krieg


Ab nun wandelte sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Italien. 1936 entsandte Mussolini Truppen nach Spanien, die gemeinsam mit deutschem Militär General Francisco Franco im Bürgerkrieg unterstützen sollten. Ende Oktober des Jahres unterzeichneten Deutschland und Italien ein geheimes Kooperationsabkommen. Als Mussolini es am 1. November verlautbarte, verwendete er erstmals den Begriff „Achse Berlin–Rom“. Die beiden Mächte, die noch im Juli 1934 beinahe zu militärischen Gegnern wurden, blickten nun in eine gemeinsame Zukunft.

Am 6. November 1937 trat Italien in weiterer Folge dem Antikominternpakt bei, den Deutschland und Japan am 25. November 1936 geschlossen hatten. Dieser sollte die politische Verbundenheit der unterzeichnenden Staaten gegen den Kommunismus zeigen. Kurz darauf, am 18. Dezember 1937 schlossen Italien und Deutschland ein Wirtschaftsabkommen zur gegenseitigen Hilfe im Kriegsfall.

Auch auf dem Gebiet der Kultur zementierten die beiden Mächte ihren Fokus aufeinander. Im deutsch-italienischen Kulturabkommen vom 23. September 1938 wurde das Zusammenwirken der beiden Regierungen und der faschistischen beziehungsweise nationalsozialistischen Parteien hinsichtlich des geistigen und künstlerischen Lebens vereinbart. Durch Forschung und Lehre sollten Kenntnisse des jeweils anderen Landes und dessen Kultur vermittelt werden. Deutscherseits wurde darunter nur die Vermittlung des nationalsozialistischen Weltbilds verstanden – die Kultur wurde politisiert.

„Die vertragschließenden Teile werden die Übersetzung oder Verbreitung von Werken, die sich unter Verfälschung der geschichtlichen Wahrheit gegen das andere Land, gegen seine Staatsform oder seine Staatsführung richten, und von entstellenden Werken (Tendenz-Literatur) politischer Emigranten des anderen Landes verhindern.“[2]

Der Stahlpakt vom 22. Mai 1939 besiegelte den nächsten Schritt in der wirtschaftlichen Kooperation. Darin wurde die militärische Zusammenarbeit und die gegenseitige Hilfe bei einem Angriffskrieg geregelt. So gewann Hitler mit Mussolini einen Verbündeten im Kriege, der schon seit Jahren auf seiner Wunschliste stand.

Ein Jahr darauf, am 27. September 1940 unterzeichneten Deutschland, Italien und Japan den Dreimächtepakt, der dem Antikominternpakt eine militärische Komponente hinzufügte. Mit diesem Pakt sicherte sich Hitler Verbündete im geplanten Krieg gegen die Sowjetunion, der im Juni 1941 begann.


Italienische Arbeiter im Deutschen Reich


Wie oben erwähnt, bestand zwischen Deutschland und Italien seit 1934 ein Wirtschaftsvertrag. Man half sich gegenseitig. Deutschland lieferte Kohle nach Italien und Italien schickte Arbeiter nach Deutschland, die vor allem in der Landwirtschaft und im Bergbau eingesetzt wurden. 1941 handelte es sich dabei um etwa 50.000 italienische Arbeiter, die in Firmen ausgekämmt und zum Arbeitseinsatz in Deutschland bereitgestellt wurden oder sich mehr oder weniger freiwillig zur Arbeit im Deutschen Reich meldeten.

Einerseits konnten sie mit den Löhnen ihre Familien in Italien unterstützen und andererseits gestaltete sich ihr eigenes Leben durch anfängliches Entgegenkommen der deutschen Arbeitgeber relativ angenehm. Sie bekamen Lebensmittel aus Italien und eigene Köche sorgten für ihr leibliches Wohl, was nicht selten zu Neid unter deutschen Arbeitern führte. Dennoch wurden sie von den Deutschen, mit Ausnahme der SS, als italienische „Arbeitskameraden“ betrachtet, die nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Verbündete waren.

Zisterne mit der angebrachten Erinnerung an die italienischen Arbeiter von 1941
Zisterne mit der angebrachten Erinnerung an die italienischen Arbeiter von 1941

Einige dieser italienischen Zivilarbeiter fanden auch auf heute österreichischem Gebiet Arbeit. Sie halfen bei der Er- und Einrichtung deutscher Wirtschaftsbetriebe, bauten Baracken auf, betonierten kleinere Nutzbauwerke und arbeiteten in der Gewinnung von Bodenschätzen.

Die unten gezeigte Inschrift befindet sich an einem kleinen Betonbauwerk mitten im Wald. Auch der dazugehörige Wirtschaftsbetrieb war sowohl von dem Umsätzen als auch der Arbeiterzahl als kleines Unternehmen zu bezeichnen. Es kann sich also nur um einen kleinen Trupp von Italienern gehandelt haben, der die gezeigte Inschrift der Nachwelt hinterlassen hat:

„Gli operai italiani 26-7-1941 costruirono“

Sinngemäße deutsche Übersetzung:
Von den italienischen Arbeitern (am/um den) 26. Juli 1941 erbaut.

Eine von italienischen Arbeitern gefertigte Tafel
1941 ritzten italienische Arbeiter diese Erinnerung an die Fertigstellung des Bauwerks in die feuchte Oberfläche.


Fußnoten:


[1] Artikel „Stresa: Österreichs Sieg und Deutschlands Fiasko“. In: Der Morgen, Wiener Montagblatt vom 15. April 1935, online unter:
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dmo&datum=19350415&query=%22stresa%22&ref=anno-search&seite=1 (21. Juli 2020)

[2] Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. Chronik der Staatsverträge – Kulturabkommen, Bd. 9 (Heidelberg 1939) S. 501, online unter:
https://www.zaoerv.de/09_1939_40/9_1939_1_b_500_2_506_1.pdf (21. Juli 2020)


Links und Literatur:


Fabian Grossekemper, Deutsch-italienische Beziehungen 1937–1943, online unter:
https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/deutsch-italienische-beziehungen-1937-1943/ (21. Juli 2020)

Dietrich Hackenberg, Arbeiter gegen Kohle, online unter:
https://www.italiener.angekommen.com/NS-Zeit_ArbeiterGegenKohle.html (21. Juli 2020)

Jens Petersen, Vorspiel zu „Stahlpakt“ und Kriegsallianz: Das deutsch-italienische Kulturabkommen vom 23. November 1938, online unter:
https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1988_1_2_petersen.pdf (21. Juli 2020)

Julian Plenefisch, Die deutsch-italienischen Beziehungen, online unter:
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/aussenpolitik/die-deutsch-italienischen-beziehungen.html (21. Juli 2020)

Claudia Prinz, Der Antikominternpakt, online unter:
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/aussenpolitik/antikomintern (21. Juli 2020)

Claudia Prinz, Der Dreimächtepakt, online unter:
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/aussenpolitik/dreimaechtepakt (21. Juli 2020)

Claudia Prinz, Der Stahlpakt, online unter:
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/aussenpolitik/stahlpakt (21. Juli 2020)


Interne Links:

Mehr zu italienischen Arbeitern ab Herbst 1943, die als italienische Militärinternierte im Dritten Reich arbeiten mussten:
https://www.worteimdunkel.at/?p=1646

Mehr zu den Jahren von 1939 bis Kriegsende:
https://www.worteimdunkel.at/?page_id=1343

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