1938 – Ein Hakenkreuz in ländlicher Idylle

Dieser Artikel wurde am 17. Juni 2020 überarbeitet.

Nicht erst seit 1938 diente das Hakenkreuz in Österreich als politisches Symbol. Nach dem „Anschluss“ überflutete es jedoch das Land auf Plakaten, Abwurfzetteln, Fahnen, Flaggen und in vielen anderen Formen. Auch auf Bauwerken, die für eine längere Benutzung konzipiert waren, brachte man das Parteisymbol der NSDAP an. Oft fand es sich in einem Eichenkranz, den ein Reichsadler in seinen Klauen trug. Nach Kriegsende wurden die meisten dieser Hakenkreuze weggemeißelt, abgetragen, gesprengt oder wenigstens übermalt.
Einem jener Hakenkreuze, die aufgrund ihrer nicht einsehbaren Lage seit 1938 in Österreich im öffentlichen Raum bestehen blieben, widmet sich nach einem kurzen geschichtlichen Abriss dieser Artikel.


Die Ursprünge des Hakenkreuz-Symbols


Die Swastika ist ein Zeichen, dessen erste belegte Verwendung mindestens 10.000 Jahre zurückliegt. Es wurde in vielen Teilen und verschiedensten Kulturen der Welt als bloßes Dekorationsmuster oder aber auch als Symbol für Heil und Glück betrachtet. Der Begriff „Swastika“ stammt wahrscheinlich aus dem Sanskrit und bedeutet „Es ist gut“. Zur Anwendung kam sie etwa als Sonnen- oder Lebenssymbol.

Historische Funde des Hakenkreuzes:[1]

  • Ukraine, Schnitzereien in Mammutknochen (etwa 10.000 v.Chr.)
  • Palästina, Stempel (etwa 7.000 v.Chr.)
  • Pakistan, Stempel und Siegel (etwa 3.000 v.Chr.)
  • Griechenland (Kreta), Vasen (2.600 v.Chr.)
  • Römisches Reich, Mosaike (ab etwa 300 v.Chr.)

Für die deutschen Historiker des Nationalsozialismus, die daran interessiert waren, der Swastika eine stabile germanengeschichtliche Basis zu zimmern, waren vor allem jene Hakenkreuze von Interesse, die von germanischen Stämmen hinterlassen worden waren. Diese fanden sie in Urnen des dritten oder vierten Jahrhunderts, als diese mit entsprechenden Ornamenten verziert wurden.


Esoterischer Wahn ersetzt Heil und Glück


Anfang des 19. Jahrhunderts gestaltete Friedrich Ludwig Jahn, besser bekannt als „Turnvater Jahn“, das Zeichen seiner Turnvereinigung. Das Motto des von ihm gegründeten Turnvereins lautete „Frisch, fromm, fröhlich, frei“. Die vier F, die diesen Wahlspruch abkürzten, waren als Logo in Form eines Hakenkreuzes angeordnet.

Ab diesem Zeitraum erfuhr das Symbol eine Bedeutungsumkehr. Immer öfter wurde die Swastika nun von Menschen, die das Germanentum teils in Geheimbünden organisiert aus quasi religiöser Sicht betrachteten und antisemitische Standpunkte vertraten, in deren esoterischem Sinne verwendet. Vorstellungen einer alten arischen Rasse verschmolzen mit der Angst vor fremden Einflüssen, die in der Ansicht der Protagonisten die Reinheit des germanischen Blutes in Gefahr zu bringen schien. Dass die gesamte Menschheitsgeschichte eine Geschichte der Verschmelzung von Kulturen war und ist, kam in der „Philosophie“ jener Personen und Gruppierungen nicht vor.

Über den ständig etwa durch Arthur Gobineau oder Jörg Lanz von Liebenfels weiter vorangetriebenen Nationalismus und den Hand in Hand mit ihm gehenden Antisemitismus baute sich das Hakenkreuz zu einem „Zeichen der Reinheit des Blutes“[2] auf, wie es Guido von List 1908 ausdrückte. Somit gewann es für die Anhänger „rassischer Lehren“ immer mehr an Strahlkraft. Als Rudolf Freiherr von Sebottendorf 1918 den „Thule-Förderer- und Freundschaftskreis“ (Thule-Gesellschaft) gründete und damit einen Orden gleichen Namens, der aus dem 1912 gegründeten Germanenorden hervorging, erfüllte die Swastika bereits dekorative Aufgaben am Beitrittsformular.

Die bekanntesten Mitglieder der Thule-Gesellschaft lesen sich wie das Who’s who der nationalsozialistischen Grundsteinlegung: Aus Österreich traten Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels dem Orden bei. Julius Streicher, Rudolf Heß und Alfred Rosenberg, die sich 1946 die Anklagebank des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher teilten, konnten hier ebenfalls in Ruhe ihre ideologische Ausrichtung zementieren. Später traten auch Adolf Hitler, Hermann Göring und Heinrich Himmler in den Orden ein. Letzterer lebte den okkultistisch-esoterischen Germanenwahn ab 1935 besonders intensiv aus, nachdem er den „Deutsches Ahnenerbe e.V.“ gegründet hatte.


Das Parteisymbol


1920 suchte die NSDAP, in der Hitler damals die Funktion des Werbeobmannes erfüllte, nach einem Parteisymbol:

„Die Organisation unserer Ordnertruppe brachte eine sehr wichtige Frage zur Klärung. Die Bewegung besaß bis dorthin kein Parteizeichen und auch keine Parteiflagge. Das Fehlen solcher Symbole hatte nicht nur augenblicklich Nachteile, sondern war für die Zukunft unerträglich. Die Nachteile bestanden vor allem darin, daß den Parteigenossen jedes äußere Kennzeichen ihrer Zusammengehörigkeit fehlte, während es für die Zukunft nicht zu ertragen war, eines Zeichens entbehren zu müssen, das den Charakter eines Symbols der Bewegung besaß und als solches der Internationale entgegengesetzt werden konnte.“[3]

Der Starnberger Zahnarzt Friedrich Krohn reichte einen Entwurf ein, der im Grunde bereits der endgültigen Ausführung entsprach. Diese wiederum reklamierte jedoch Hitler für sich, da er eine entscheidende Änderung durchführte: Er ersetzte das von Krohn vorgeschlagene linksflügelige Hakenkreuz durch ein rechtsflügeliges. In „Mein Kampf“ führt er einen weiteren Grund an:

„Dennoch musste ich die zahllosen Entwürfe, die damals aus den Kreisen der jungen Bewegung einliefen, und die meistens das Hakenkreuz in die alte Fahne hineingezeichnet hatten, ausnahmslos ablehnen. Ich selbst – als Führer – wollte nicht sofort mit meinem eigenen Entwurf an die Öffentlichkeit treten, da es ja möglich war, daß ein anderer einen ebenso guten oder vielleicht auch besseren bringen würde. Tatsächlich hat ein Zahnarzt aus Starnberg auch einen gar nicht schlechten Entwurf geliefert, der übrigens dem meinen ziemlich nahekam, nur den einen Fehler hatte, daß das Hakenkreuz mit gebogenen Haken in eine weiße Scheibe hineinkomponiert war.
[…]
Im Hochsommer 1920 kam zum ersten Male die neue Flagge vor die Öffentlichkeit. Sie paßte vorzüglich zu unserer jungen Bewegung. So wie diese jung und neu war, war sie es auch. Kein Mensch hatte sie vorher je gesehen; sie wirkte damals wie eine Brandfackel.
[…]
Als nationale Sozialisten sehen wir in unserer Flagge unser Programm. Im Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im Weiß den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen und zugleich mit ihm auch den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.“[4]

In den Zitaten scheint das Gedankengut durch, das die Mitglieder der Thule-Gesellschaft, und somit der nationalsozialistischen Führung, vereinte – die ersponnenen Verschwörungstheorien einer arischen Rasse, die sich gegen Weltjudentum und Bolschewismus durchsetzen müsste.
19 Jahre später brach der Zweite Weltkrieg aus und die Bedeutung des rechtsflügeligen Hakenkreuzes erfüllte sich: Im Gegensatz zum linksflügeligen steht es für Unheil und Untergang. Der destruktive Geist Hitlers hatte sich ganz klar gegen das Glückssymbol entschieden.


Das Hakenkreuz in ländlicher Idylle


Nach Kriegsende wurden so gut wie alle Parteisymbole der NSDAP entfernt. Doch nicht jedes dieser Symbole wurde gefunden. Manch eines war so tief in das Alltagsbewusstsein der Menschen in seiner Umgebung eingebettet, dass sie es nach Jahren und Jahrzehnten nicht mehr wahrnahmen – oder wahrnehmen wollten. So wie dieses hier.

Ein Hakenkreuz und das Datum "Juni 1938"
Ein Bauwerk, das im Juni 1938 fertiggestellt wurde

Verblasst, der Beton bereits brüchig, zeugt dieses Hakenkreuz von der nationalsozialistischen Mischung aus Wahn und Aggression, die die Welt nachhaltig erschüttert hat. Es prangt an einem Bauwerk, das im Juni 1938 errichtet wurde. Gehört es weg? Muss es erhalten bleiben? Meines Erachtens muss es als vergängliches Mahnmal bestehen bleiben, um gegenwärtige und zukünftige Gesellschaften vor den Gefahren zu warnen, derart extremen Sichtweisen unkritisch zu begegnen. Als solches sollte es geschützt und mit einer erklärenden Informationstafel versehen werden. Eine weitere, wahrscheinlich bessere Möglichkeit bestünde in der Heraustrennung aus dem Bauwerk, um es in einem zeitgeschichtlichen Museum kontextualisiert zu diskutieren.


Fußnoten:


[1] Angaben lt. Wikipedia, Swastika, Archäologischer Befund online unter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Swastika#Arch%C3%A4ologischer_Befund (17. Juni 2020)

[2] Peter Diem, Die Entwicklung des Hakenkreuzes zum todbringenden Symbol des Nationalsozialismus, online unter:
http://peter-diem.at/Buchtexte/hakenkreuz.htm (17. Juni 2020)

[3] Adolf Hitler, Mein Kampf (München 1942), S. 551.

[4] Adolf Hitler, Mein Kampf (München 1942), S. 555–557.


Links:


Der Text entstand zum größten Teil auf Grundlage von:
Peter Diem, Die Entwicklung des Hakenkreuzes zum todbringenden Symbol des Nationalsozialismus, online unter:
http://peter-diem.at/Buchtexte/hakenkreuz.htm (17. Juni 2020)


Interne Links:

Mehr zum Jahr 1938 nach dem „Anschluss“:
http://www.worteimdunkel.at/?page_id=453

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