{"id":8372,"date":"2020-06-30T00:59:40","date_gmt":"2020-06-29T22:59:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=8372"},"modified":"2021-06-20T17:16:47","modified_gmt":"2021-06-20T15:16:47","slug":"1945-die-letzten-tage-des-ns-regimes-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=8372","title":{"rendered":"1945 \u2013 Die letzten Tage des NS-Regimes in Wien"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Die letzten Tage der NS-Herrschaft in Wien verliefen chaotisch, brutal und zahlreich an Opfern. Von 6. bis 13. April 1945 dauerte der Kampf um Wien, bis in Moskau zur Feier der Einnahme der Stadt 324 Kanonen jeweils 24 Salutsch\u00fcsse abfeuerten.<br>Die heutige Beschriftung stammt aus diesen Apriltagen, als die sowjetischen Soldaten H\u00e4userblock f\u00fcr H\u00e4userblock auf Sprengfallen und Minen kontrollierten sowie deutsche Widerstandsnester bek\u00e4mpften. Erst wenn ein Geb\u00e4ude frei von Feind und Gefahr war, wurde diese Markierung mittels einer Schablone in kyrillischen Buchstaben an der Hausecke aufgetragen, sodass die gesicherte Zone f\u00fcr nachr\u00fcckende Einheiten auf den ersten Blick erkennbar war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text dieser Markierungen lautete \u201e\u041a\u0412\u0410\u0420\u0422\u0410\u041b \u041f\u0420\u041e\u0412\u0415\u0420\u0415\u041d\u201c (Kvartal proveren) und bedeutet w\u00f6rtlich \u201eViertel \u00fcberpr\u00fcft\u201c. Gemeint war \u201eH\u00e4userblock \u00fcberpr\u00fcft\u201c. In den Ecken dieser Markierungen finden sich meist Angaben wie 1\/18, 2\/18 oder 3\/18. Eventuell handelte es sich dabei um die milit\u00e4rischen Einheiten der Roten Armee, die die Kontrolle vornahmen. M\u00f6glicherweise stand die Zahl 18 f\u00fcr das XVIII. Garde-Sch\u00fctzenkorps der 46. Armee.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"797\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_6_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg\" alt=\"Markierung der Roten Armee \u2013 Kvartal proveren\" class=\"wp-image-8379\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_6_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg 1200w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_6_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_6_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption>Markierung der Roten Armee \u2013 \u201eKvartal proveren\u201c<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend dieses Kampfes waren die sowjetischen Truppen, deren Befehl lautete, die Stadt in m\u00f6glichst kurzer Zeit einzunehmen, einer v\u00f6llig neuen Situation ausgesetzt. Der zu erwartende H\u00e4userkampf unterschied sich durch den Kampf am Feld durch \u201eunsichtbare\u201c Gegner, die wie aus dem Nichts aus Fenstern schie\u00dfen konnten. Hinter jeder Hausecke lauerte wom\u00f6glich der Feind. Jeder Blick in eine neue Stra\u00dfe konnte den Tod bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>1969 brachte Theo Rossiwall das Buch \u201eDie letzten Tage\u201c heraus, in dem er minuti\u00f6s die Geschehnisse dieser letzten Tage in \u00d6sterreich beschreibt. Der folgende Text besteht aus jenen Zitaten, die sich zwischen 6. und 13. April auf die Stadt Wien beziehen und so den Kampf um Wien in den Worten eines Kriegsteilnehmers wiedergeben. Da es sich um Zitate handelt, wird die aktuelle Rechtschreibung nicht ber\u00fccksichtigt. Gr\u00fcn hinterlegt sind jene Zitate, die aus dem besprochenen Zeitraum stammen.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>6. April 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eDas Sowjet-Hauptquartier gab Tolbuchin Befehl, die 46. Armee auf das linke Donauufer zu verlegen, um mit dem 23. Panzer- und dem 2. Garde-mech-Korps Wien n\u00f6rdlich zu umgehen. Die deutsche 8. Armee war nach dem Fall Pre\u00dfburgs hinter die March zur\u00fcckgegangen, ihre Stellungen am Flu\u00df lagen unter sowjetischem Feuer. Tags zuvor hatte ein Volltreffer die Rollf\u00e4hre Deutsch-Altenburg\u2013Stopfenreuth vernichtet, angeblich sollen 300 deutsche Soldaten ertrunken sein. Bei Markthof, Marchegg, Baumgarten und Sierndorf dr\u00e4ngten die Sowjets \u00fcber den Flu\u00df, der infolge des langen warmen Fr\u00fchlingswetters wenig Wasser f\u00fchrte. Nach schweren Artillerievorbereitungen konnten sie an einigen Stellen Fu\u00df fassen, jedoch nur nach Markthof eindringen; sonst wurden sie am Ufer niedergehalten. In Markthof fanden 15 deutsche und 22 Sowjet-Soldaten den Tod, 2 Br\u00fccken wurden gesprengt, zahlreiche Geb\u00e4ude erlitten schwere Besch\u00e4digungen oder brannten ab.\u201c<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>[\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBeim Heeresgruppenstab in St. Leonhard tauchte Kreisleiter Arnold aus M\u00fcnchen auf, um selbst die Lage zu erkunden. Er berichtete fernschriftlich an Bormann:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201a[\u2026]<br>3. Der neue Kampfkommandant von Wien, General B\u00fcnau, hat sich sehr energisch eingef\u00fchrt. In Wien werden gegenw\u00e4rtig alle wehrf\u00e4higen M\u00e4nner zusammengefa\u00dft.<br>4. Die feindliche Artillerie beschie\u00dft von Stellungen s\u00fcdlich Wien einen Teil der Stadt. Der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Bev\u00f6lkerung ist geblieben, weil die Verkehrsverbindungen nach dem Westen und Nordwesten unterbrochen oder durch r\u00fcckflutende Wehrmachtseinheiten und ungarische Trecks verstopft sind.<br>[\u2026]<br>6. Die Luftwaffe hat Scheinwerferstellungen in Wien bereits in der Nacht vom 3. auf 4. gesprengt, ohne der Heeresgruppe ein Wort zu sagen.<br>[\u2026]<br>8. Ich habe in meinem letzten Bericht gebeten, f\u00fcr den Volkssturm in Wien und Niederdonau Waffen aus Steyr anzuliefern. Ich mu\u00df nochmals dringend darum bitten.<br>9. In Wien wurden von der Wehrmacht die Lager mit Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden restlos an den Volkssturm \u00fcbergeben, allerdings zu sp\u00e4t, so da\u00df es ganz nach \u201aAusverkauf\u2018 aussah und ein zeitgerechter Abtransport vielfach nicht m\u00f6glich war.<br>10. Wenn nicht sofort neue Einheiten in den Raum Niederdonau geworfen werden, ist in den n\u00e4chsten Tagen unausbleiblich, da\u00df das gesamte Industriegebiet des Wiener Beckens und ein Gro\u00dfteil Niederdonaus verlorengehen und Millionen Volksgenossen von Bolschewisten \u00fcberrollt werden, wobei der Verlust des Zistersdorfer Erd\u00f6lgebietes sicher t\u00f6dlich wirken k\u00f6nnte.\u2018\u201c<sup>2<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig erlie\u00df Marschall Tolbuchin einen Aufruf an die \u00d6sterreicher:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eUm die Hauptstadt \u00d6sterreichs, ihre geschichtlichen Denkm\u00e4ler der Kunst und Kultur zu erhalten, stelle ich anheim:<br><br>1. der Bev\u00f6lkerung Wiens, die Stadt nicht zu verlassen, wenn ihr an der Erhaltung der Stadt gelegen ist. Ist Wien von den Deutschen ges\u00e4ubert, seid Ihr die Schrecken des Krieges los. Die Wien verlassen, werden von den Deutschen in den Tod gejagt;<br>2. nicht zuzulassen, dass die Deutschen Wien verminen, die Br\u00fccken sprengen und die H\u00e4user in Festungen verwandeln;<br>3. den Kampf gegen die Deutschen zu organisieren, um Wien vor der Zerst\u00f6rung durch die Nazipreussen zu bewahren;<br>4. zu verhindern, dass die Deutschen Fabrikseinrichtungen, Waren und Lebensmittel aus Wien verschleppen und zwar durch das aktive Eingreifen aller Wiener; nicht zuzulassen, dass die Bev\u00f6lkerung Wiens von den Deutschen gepl\u00fcndert wird.<br><br>B\u00fcrger von Wien!<br><br>Unterst\u00fctzt die Rote Armee bei der Befreiung Wiens, der Hauptstadt \u00d6sterreichs!<br>Tragt bei zur Befreiung \u00d6sterreichs vom deutsch-faschistischen Joch!<br><br>Der Befehlshaber der Truppen der 3. Ukrainischen Front, Marschall der Sowjetunion<br>F. Tolbuchin.\u201c<sup>3<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Weiters sagte er:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201e\u201aBev\u00f6lkerung der Stadt Wien! \u2013 Die Rote Armee schlug die deutsch-faschistischen Truppen und steht vor Wien. Die Stunde der Befreiung ist gekommen. Aber die zur\u00fcckziehenden deutschen Truppen wollen auch Wien in ein Schlachtfeld verwandeln, genau wie Budapest. Wien und seinen Bewohnern drohen \u00e4hnliche Zerst\u00f6rungen und Kriegsschrecken.\u2018\u201c<sup>4<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Berlin meldete sich Generaloberst Rendulic, ein geb\u00fcrtiger \u00d6sterreicher, im gro\u00dfen Bunker der Reichskanzlei bei Hitler; er hatte als Oberbefehlshaber der eingeschlossenen Heeresgruppe Kurland am 4. April unerwartet Befehl erhalten, sofort ins F\u00fchrerhauptquartier zu kommen. Hitler er\u00f6ffnete ihm, da\u00df er die Heeresgruppe S\u00fcd zu \u00fcbernehmen habe, deren Armeen, wie Hitler sagte, in Ungarn zur\u00fcckgingen. Seine wichtigsten Aufgaben seien, den R\u00fcckzug aufzuhalten, die Russen am Vordringen in die Alpen und das Donautal zu hindern und Wien mit allen Mitteln zu behaupten. [\u2026]\u201c<sup>5<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRendulic wurde klar, da\u00df Wien nicht zu halten war, eine sofortige Aufgabe aber die 8. Armee n\u00f6rdlich der Donau schwer bedroht h\u00e4tte. Er schreibt in seinen Memoiren:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201aEs stand f\u00fcr mich fest, da\u00df der Kampf um die Stadt, soweit es die Verh\u00e4ltnisse zulie\u00dfen, abgek\u00fcrzt werden mu\u00dfte, Ich f\u00fchlte die Tragik dieser einzigartigen, mir besonders nahestehenden Stadt, die nun wiederum, wie mehrmals in der Vergangenheit, dem Ansturm eines feindlichen Heeres ausgesetzt war. \u00dcber die m\u00f6gliche oder beabsichtigte Art der Beendigung des Krieges hatte ich nichts erfahren. F\u00fcr mich lag der Zweck des Kampfes in meinem Bereich darin, die Russen so weit und so lange wie m\u00f6glich von einem Vordringen auf unserem Gebiet abzuhalten. Ich war fest entschlossen, diese Absicht mit ganzer Tatkraft und allen Mitteln durchzuf\u00fchren. Das Niederdr\u00fcckende f\u00fcr mich war, da\u00df der Kampf bereits auf dem Boden meiner Heimat, zum Teil in deren Grenzgebieten, gef\u00fchrt werden mu\u00dfte. Wenn auch der Kampf die Ma\u00dfnahmen diktierte, so war es mir doch selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df, wo immer es anging, die Schonung des Landes und seiner Bev\u00f6lkerung in erster Linie zu ber\u00fccksichtigen war.\u2018\u201c<sup>6<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>7. April 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eIn Wien traf die \u201aF\u00fchrer\u2018-Panzerdivision ein; Hitler hatte sie am Marsch zur 8. Armee abgedreht und dem Kampfkommandanten von Wien zugewiesen. B\u00fcnau setzte den Verband nach S\u00fcden an, obwohl sowjetische Spitzen bereits den G\u00fcrtel erreicht hatten. Die Division brach in die noch schwache sowjetische Front ein und drang bis zu den zahlreichen Lazaretten s\u00fcdlich Wien vor, in denen Tausende Verwundete und Kranke lagen. Die Wiener Feuerwehr folgte den Panzern unmittelbar und brachte alle Transportf\u00e4higen \u00fcber die Donau zur\u00fcck, wo Lazarettz\u00fcge bereit standen.\u201c<sup>7<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Stab des 2. SS-Panzerkorps traf in Kagran ein und \u00fcbernahm die F\u00fchrung im Wiener Stadtgebiet; B\u00fcnau wurde Abschnittskommandant. Er hatte tags zuvor zwei Br\u00fccken \u00fcber den Donaukanal und die s\u00fcdlichste Donaubr\u00fccke sprengen lassen, als sowjetische Angriffsspitzen auf 1.000 Meter herangekommen waren. Am Lainzer Tiergarten und im Wiental tauchten sowjetische Panzer auf; Artillerie scho\u00df \u00fcber den Wienerberg und Laaerberg hinweg in die Stadt.\u201c<sup>8<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGeneraloberst Rendulic traf kurz vor Mitternacht in seinem neuen Hauptquartier ein. Er hatte die Autobahn bei Tageslicht wegen der feindlichen Flieger verlassen m\u00fcssen, die Fahrt auf den Landstra\u00dfen war langsam und beschwerlich. Der Lagebericht [Heinz von Gyldenfeldts, Generalstabschef der Heeresgruppe S\u00fcd, TK] lautete anders, als er in Berlin geh\u00f6rt hatte. Ansammlungen des Gegners im M\u00fcndungsgebiet der March gaben ihm besonders zu denken; ihr Ziel war offenbar Zistersdorf, aber sie konnten auch Wien von Norden einschlie\u00dfen. Mit der neuen, kampfkr\u00e4ftigen Panzerdivision konnte ein Kampf um die Stadt, trotz gro\u00dfer gegnerischer \u00dcberlegenheit, stark verl\u00e4ngert werden. Rendulic fand einen F\u00fchrerbefehl vor, der unter anderem besagte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201aAlle Br\u00fccken und Verkehrseinrichtungen sind zu zerst\u00f6ren; dies ist Pflicht der milit\u00e4rischen F\u00fchrer. Zerst\u00f6rung und L\u00e4hmung industrieller Anlagen ist Aufgabe der Gauleiter und Wirtschaftsdienststellen; bei milit\u00e4rischen Stellen hiezu angeforderte Hilfe ist zu gew\u00e4hrleisten. Die Sprengung der Br\u00fccken \u00fcber die gro\u00dfe Donau bei Wien befehle ich pers\u00f6nlich.\u2018\u201c<sup>9<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Josef Goebbels notierte in dieser Phase des Kampfes um Wien in sein Tagebuch:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201e\u201aDer Feind ist s\u00fcdwestlich bis an das Wiener Stadtgebiet herangedrungen \u2026 Der S\u00fcdostteil von Wien befindet sich schon zum gro\u00dfen Teil in seinem Besitz. Schlimmer aber ist die politische Entwicklung, die sich infolgedessen in Wien angelassen hat. Es haben in der Stadt Aufruhraktionen in den ehemals roten Vororten stattgefunden, und zwar haben diese Ausma\u00dfe angenommen, da\u00df Schirach sich in seiner Hilflosigkeit veranla\u00dft gesehen hat, sich unter den Schutz der Truppe zu begeben. Das ist so typisch Schirach. Erst l\u00e4\u00dft er die Dinge laufen, wie sie laufen, und dann fl\u00fcchtet er sich zu den Soldaten. Ich habe nie etwas anderes von ihm erwartet \u2026 Jetzt m\u00fcssen die h\u00e4rtesten Ma\u00dfnahmen getroffen werden, um die Dinge in Wien wieder zu bereinigen. Der F\u00fchrer ist weiterhin entschlossen, die Stadt unter allen Umst\u00e4nden zu halten. Man darf nat\u00fcrlich die Vorg\u00e4nge, die sich in Wien selbst abspielen, nicht allzusehr dramatisieren. Es handelt sich nat\u00fcrlich nur um Gesindel, das diese Aufst\u00e4nde veranstaltet, und dieses Gesindel mu\u00df zusammengeschossen werden.\u2018\u201c<sup>10<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"797\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_4_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg\" alt=\"Von &quot;Kvartal proveren&quot; ist am Semperdepot nur noch die H\u00e4lfte zu lesen\" class=\"wp-image-8377\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_4_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg 1200w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_4_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_4_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption>Von \u201eKvartal proveren\u201c ist am Semperdepot nur noch die H\u00e4lfte zu lesen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>8. April 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eDie Wiener merkten nichts vom Sonntag. Rotarmisten \u00fcberschwemmten Simmering, Favoriten und Liesing; Kampftruppen mit Panzern und Granatwerfern griffen die d\u00fcnne deutsche Linie am Wiedner G\u00fcrtel sowie am Margareteng\u00fcrtel an. Artillerie scho\u00df in die Bezirke zwischen G\u00fcrtel und Ring, vereinzelt erreichte Streufeuer schon die Innere Stadt. Panzer rasselten durch die Stra\u00dfen und feuerten auf jedes Geb\u00e4ude, in dem Widerstand vermutet wurde. Die Wiener sa\u00dfen in den Kellern, stra\u00dfenweise hingen wei\u00dfe Fahnen aus den Fenstern. Wen k\u00fcmmerte noch Himmlers Flaggenerla\u00df? Himmler war weit, vielleicht schon ein toter Mann; real waren die Panzer, das Ratsch-Bum ihrer Kanonen, krachende Artillerieeinschl\u00e4ge, Maschinengewehrknattern, Pistolensalven, Rauch, Tr\u00fcmmer \u2013 und die Angst.\u201c<sup>11<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRendulics erste Ma\u00dfnahme war, die \u201aF\u00fchrer\u2018-Panzerdivision aus der Stadt \u00fcber die Reichsbr\u00fccke auf das linke Donauufer zu verlegen. Gyldenfeld und Dietrich gaben zu, da\u00df ein Kampf um die Stadt sinnlos geworden war, weil die Russen schon im Tullnerfeld standen. Der Angriff \u00fcber die March bedrohte die Verbindung zur 8. Armee und die Flanke der Heeresgruppe Mitte in M\u00e4hren. Sollte keine Gef\u00e4hrdung der ganzen deutschen Ostfront entstehen, so mu\u00dften Donau und March gehalten werden. Die Stadt Wien hatte ihre strategische Bedeutung verloren.<br><br>Das F\u00fchrerhauptquartier reagierte auf den Abzug der Panzerdivision prompt und scharf. Rendulic verteidigte seine Ma\u00dfnahme mit dem Hinweis auf die Alternative eines Zerrei\u00dfens der Heeresgruppen-Front und den daraus entstehenden Folgen. Aus Berlin k\u00fcndigte man weitere Entscheidungen an.<br><br>Als n\u00e4chstes befahl Rendulic, alle Br\u00fccken im Heeresgruppenbereich sofort zu entladen; erneutes Laden und Sprengen machte er von seiner ausdr\u00fccklichen Genehmigung abh\u00e4ngig. Dabei wies er auf die Sinnlosigkeit der Zerst\u00f6rung kleinerer Br\u00fccken hin, die den gegnerischen Vormarsch nie aufgehalten hatten. F\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Br\u00fccken bestand Sabotagegefahr, wodurch eigene Truppen gef\u00e4hrdet werden konnten; erst k\u00fcrzlich war die Traunfallbr\u00fccke durch Blitzschlag in die Luft gegangen.<br><br>Der Widerstand im Lainzer Tiergarten brach zusammen. Im Wiental stie\u00dfen sowjetische Kr\u00e4fte zum G\u00fcrtel und Westbahnhof durch. Mittags erschienen Panzer am Kahlenberg, um 17 Uhr auf der Heiligenst\u00e4dter Stra\u00dfe; deutsche Artillerie nahm sie \u00fcber die Donau unter Feuer.<br><br>Westlich Wien erreichten sowjetische Sch\u00fctzen durch das Kierlingtal und \u00fcber den Buchberghang Klosterneuburg, deutsche Truppen zogen nach Wien und Korneuburg ab.<br>[\u2026]\u201c<sup>12<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Heeresgruppe erhielt abends einen Befehl Hitlers, mit Angriff vom Semmering und durch Nebenangriffe von St. P\u00f6lten und s\u00fcdwestlich von Wien den drohenden Fall der Stadt zu verhindern. Gyldenfeld notierte dazu in sein Tagebuch:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201aDies ist v\u00f6lliger Wahnsinn, denn 1. werden alle Kr\u00e4fte dringend anderswo ben\u00f6tigt, 2. ist nicht ber\u00fccksichtigt, wie sich die Feindlage bis zum m\u00f6glichen Angriffsbeginn entwickelt, und 3. ist nunmehr \u2013 wo das Ende des Krieges so deutlich abzusehen ist \u2013 ein solcher Angriff, der starke Verluste mit sich bringen mu\u00df, \u00fcberhaupt abzulehnen.\u2018\u201c<sup>13<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"797\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_3_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg\" alt=\"Diese Markierung beschr\u00e4nkte sich auf den Hinweis &quot;Provereno&quot;\" class=\"wp-image-8376\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_3_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg 1200w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_3_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_3_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption>Diese Markierung beschr\u00e4nkte sich auf den Hinweis \u201eProvereno\u201c<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>9. April 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eDie R\u00e4umung Wiens ging weiter. Das 2. SS-Panzerkorps hatte Auftrag, den G\u00fcrtel zu halten, bis alle Versorgungsg\u00fcter, Werkst\u00e4tten, Dienststellen und was sonst die Stadt an milit\u00e4rischen G\u00fctern barg, \u00fcber die Donau zur\u00fcckgef\u00fchrt waren. Ein Donaukanal-Br\u00fcckenkopf sollte den R\u00fcckzug decken und den Abschub der Verwundeten sichern.<br><br>Der F\u00fchrerbefehl entzog alle Donaubr\u00fccken der Kompetenz Rendulics. Die Stadlauer Br\u00fccke sprengten Truppen im Kampf. Die Bedeutung der Reichsbr\u00fccke ging zur\u00fcck, je weiter die Sowjets an beiden Ufern vordrangen. Die Sprengung der Br\u00fccke \u00fcber die Alte Donau erf\u00fcllte den gleichen Zweck. Rendulic gab deshalb von sich aus Befehl zur Entladung. Am Vormittag meldete das Panzer-Grenadierregiment 4, das im Prater eingesetzt war, den Vollzug.<br><br>Die Franz-Josefs-Br\u00fccke war nach Bombentreffern nur beschr\u00e4nkt ben\u00fctzbar, im \u00fcbrigen aber unversehrt. Waffen-SS und Hitlerjugend bildeten vom Nu\u00dfdorfer Spitz zur Peter-Jordan-Stra\u00dfe und n\u00f6rdlich des Franz-Josefs-Bahnhofes Sperriegel. Die Sprengung der Floridsdorfer Eisenbahnbr\u00fccken befahl das Oberkommando der Wehrmacht.<br><br>Am G\u00fcrtel standen Alarmeinheiten, Urlauberkontingente, Verb\u00e4nde des Ersatzheeres, gemischt mit Volkssturm und Waffen-SS, im Kampf. <span style=\"text-decoration: underline;\">Die Sowjets gingen \u00e4u\u00dferst systematisch vor, sie s\u00e4uberten H\u00e4userblock f\u00fcr H\u00e4userblock, und stundenlang warteten Panzer an Stra\u00dfenkreuzungen, w\u00e4hrend Sch\u00fctzen alle H\u00e4user durchsuchten.<\/span> Die deutsche Linie war nur st\u00fctzpunktartig gebildet, dazwischen schoben sich feindliche Panzerkeile zum Ring vor. Der sowjetische Hauptangriff erfolgte im Prater, denn das offene Gel\u00e4nde zwischen Kanal und Donau bot leichte Entfaltungsm\u00f6glichkeit. In bebauten Bezirken wurden deutsche Widerstandsgruppen umgangen und eingeschlossen; trotzdem gelang es manchen, durch Hintergassen und H\u00f6fe zu entkommen. Die Deutschen mu\u00dften sich jetzt aber nicht nur der Sowjets erwehren; teilweise begann die Bev\u00f6lkerung feindselige Haltung einzunehmen. Uniformierte wurden als Kriegsverl\u00e4ngerer beschimpft, zumal die Angeh\u00f6rigen der Waffen-SS konnten es nicht mehr wagen, bewohnte H\u00e4user zu betreten.(sic!)\u201c<sup>14<\/sup> (Die Unterstreichung stellt den Bezug zu den gezeigten Beschriftungen her und ist im Originaltext nicht hervorgehoben.)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"797\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_1_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg\" alt=\"Nur kurz war diese Markierung zu sehen, bis sie nach der Geb\u00e4uderenovierung wieder unter neuer Farbe verschwunden war\" class=\"wp-image-8374\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_1_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg 1200w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_1_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_1_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption>Nur kurz war diese Markierung zu sehen, bis sie nach der Geb\u00e4uderenovierung wieder unter neuer Farbe verschwunden war<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>10. April 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eDie deutschen Kampfgruppen am G\u00fcrtel erhielten endlich <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=12659\" data-type=\"post\" data-id=\"12659\">R\u00fcckzugsbefehl zum Donaukanal<\/a>. Diese Linie bestand aber nur mehr auf der Lagekarte des 2. SS-Panzer-Korps in Kagran; mehrfach waren die Sowjets schon zum Ring durchgebrochen. Viele St\u00fctzpunkte waren eingeschlossen; viele erreichte der Befehl nicht mehr, da sie l\u00e4ngst aufgerieben, gefallen oder gefangen waren oder keine Verbindung mehr hatten. In manchen H\u00e4userblocks sa\u00dfen Deutsche in den oberen Stockwerken, Sowjets hielten die unteren besetzt. Auf Umwegen,  k\u00e4mpfend sich durchschlagend, strebten einzelne dem Donaukanal zu. Eine Gruppe von zwei Dutzend SS-M\u00e4nnern suchte den direkten Weg, mu\u00dfte umkehren, wandte sich nach links, wurde abgeschlagen, ging vom G\u00fcrtel stadtausw\u00e4rts, dann in weitem Bogen zur\u00fcck, focht nach links und rechts und nahm mit, was ihr begegnete; als sie am Donaukanal ankam, waren es 60 Mann geworden, die 35 Gefangene mitbrachten. Eine andere, kleinere Gruppe erreichte den Kanal, sah sich pl\u00f6tzlich von sowjetischen Panzern umstellt und wurde bei einem verzweifelten Ausbruchsversuch bis auf den letzten Mann niedergemacht; die deutschen Posten am jenseitigen Ufer mu\u00dften tatenlos zusehen, ein Eingreifen in den Nahkampf war unm\u00f6glich. Die Sowjets nahmen bis zum Abend die Innere Stadt und verhielten dann, um aufzuschlie\u00dfen.<br><br>Das Panzergrenadierregiment 4 mu\u00dfte im Prater schrittweise weichen. Die leicht brennbaren Ausstellungshallen, St\u00e4nde und Buden des Vergn\u00fcgungspraters fingen Feuer, das Riesenrad brannte aus.\u201c<sup>15<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Heeresgruppe erhielt vom Oberkommando der Wehrmacht Befehl zur Sprengung der Reichsbr\u00fccke; der Einbau der viele hundert Kilo schweren Ladungen war jetzt aber nicht mehr m\u00f6glich, zumal das ganze Gel\u00e4nde schon unter sowjetischem Maschinengewehrfeuer lag.\u201c<sup>16<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>11. April 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eNoch im Schutze der Nacht setzten die Sowjets einen Pioniertrupp auf die Reichsbr\u00fccke an; sechs Mann schlichen durch die Lagerhausgasse zum Br\u00fcckenaufgang, vorbei an den brennenden Lagerh\u00e4usern des Handelskais. Das deutsche Panzergrenadierregiment 4 war zur\u00fcckgegangen. Den sowjetischen Pionieren kam der dicke Qualm brennenden \u00d6ls, vermischt mit Flu\u00dfnebel zugute, sie erreichten unbemerkt die schon verkehrsfreie Br\u00fccke. Schleichend und tastend untersuchten sie Meter um Meter, fanden aber keine Sprengladung. Sie konnten sich den Grund nicht erkl\u00e4ren, kehrten am gleichen Weg zur\u00fcck und meldeten den Auftrag als erf\u00fcllt. Im Morgengrauen brachten Panzerboote der Donauflottille Landungstruppen der 80. Gardesch\u00fctzen-Division heran; im Handstreich wurde die Br\u00fccke genommen und gehalten, bis st\u00e4rkere Kr\u00e4fte nachr\u00fcckten.<br><br>Das Panzergrenadierregiment 4 zog sich durch das Eisenbahngel\u00e4nde des Nordbahnhofes Richtung Augarten zur\u00fcck, um im Zuge Innstra\u00dfe\u2013Nordbahnstra\u00dfe die S\u00fcdflanke der Franz-Josefs-Br\u00fccke abzuschirmen. Die deutschen Nachhuten am Donaukanal lagen unter pausenlosem Artillerie- und Granatwerferfeuer, ohne angegriffen zu werden.\u201c<sup>17<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"797\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_5_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg\" alt=\"Bei der Renovierung der Fassade wurden bereits einige dieser Markierungen erhalten\" class=\"wp-image-8378\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_5_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg 797w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_5_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-199x300.jpg 199w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_5_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-768x1156.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 797px) 100vw, 797px\" \/><figcaption>Bei Fassadenrenovierungen wurden bereits einige dieser Markierungen erhalten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>12. April 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eIn Wien schrumpfte der deutsche Igel vor der Floridsdorfer Br\u00fccke immer mehr zusammen, w\u00e4hrend im Stadtbereich ein Widerstandsnest nach dem anderen aufgerieben wurde oder sich ergab. Am sp\u00e4ten Nachmittag und in den Abendstunden r\u00e4umten die letzten Nachhuten das S\u00fcdufer der Donau, nur eine kleine Gruppe hielt den Zugang zur Br\u00fccke. Nach Abtransport aller Verwundeten wurde sie genau um Mitternacht gesprengt.\u201c<sup>18<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGyldenfeld notierte in sein Tagebuch:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201aWien wird ganz vom Feinde besetzt, nachdem schon seit mehreren Tagen in der Stadt gek\u00e4mpft wurde. Mit unserem Einverst\u00e4ndnis zieht 6. SS-Panzerarmee so viel Kr\u00e4fte, vor allem Panzer, aus der Stadt, da\u00df der Kampf wesentlich abgek\u00fcrzt wird. Wir hoffen, hierdurch die Zerst\u00f6rungen in Wien erheblich mindern zu k\u00f6nnen.\u2018\u201c<sup>19<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>13. April 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eIn einzelnen Wiener Bezirken leisteten abgeschnittene deutsche Gruppen noch vereinzelt Widerstand, die Sowjets geben das Ende der K\u00e4mpfe mit 14 Uhr an. In Moskau wurde ein Salut von 24 Salven aus 324 Gesch\u00fctzen geschossen.<br><br>Der Stephansdom brannte, die Pummerin st\u00fcrzte in die Tiefe und zerbarst. In den Stra\u00dfen, Parks und Ruinen der Stadt lagen 5.500 Leichen; wieviele Bewohner in den H\u00e4usern und Kellern noch ihr Leben verloren, ist unbekannt. Die Keller der Innenstadt \u2013 manche zwei bis drei Stockwerke tief \u2013 hatten gr\u00f6\u00dftenteils Bomben und Artilleriegranaten standgehalten. Da fast alle diese Keller untereinander verbunden sind, waren viele Deutsche unterirdisch vom Ring zum Kai gefl\u00fcchtet. Nun entdeckten Sowjetarmisten die Labyrinths, in denen sich Tausende Wiener seit Tagen bei Kerzenlicht verborgen hielten. Als die Russen eindrangen und Schmuck, Uhren, Kleider und Radioapparate verlangten, zeigte man ihnen zuerst die verlassenen Wohnungen Gefl\u00fcchteter. Aber bald wurden auch bewohnte Wohnungen gepl\u00fcndert. Fremdarbeiter, Ausgebombte und Einheimische schlossen sich den Pl\u00fcnderern an. Sowohl Mieth\u00e4user als auch Palais, Amtsgeb\u00e4ude, Schulen und Kasernen wurden nach Wertsachen durchforscht. Die Tresore der Banken mu\u00dften auf Verlangen sowjetischer Offiziere ge\u00f6ffnet werden, Juwelen, Kunstsch\u00e4tze, Goldm\u00fcnzen wurden entnommen. Wider Erwarten schonten die Sowjets jedoch Kirchen und Kl\u00f6ster und respektierten die Priester; oft konnten solche sogar ungeahndet durch Dazwischentreten Verbrechen verhindern. [\u2026]<br><br>Rendulic hatte Wien in der Hoffnung r\u00e4umen lassen, die Donaulinie zum Schutz der 8. Armee im Marchfeld zu halten. Der sowjetische Vorsto\u00df aus den Marchbr\u00fcckenk\u00f6pfen, die Einnahme der Reichsbr\u00fccke und das Zur\u00fcckweichen der 8. Armee machten diesen Plan jedoch illusorisch. Der Stab des 2. SS-Panzerkorps mu\u00dfte schleunigst Kagran verlassen, um sich \u00fcber Korneuburg abzusetzen. [\u2026]\u201c<sup>20<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Die Erkl\u00e4rung der Sowjetregierung am 13. April 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eDie Sowjetregierung sieht weder eine Inanspruchnahme \u00f6sterreichischen Territoriums noch eine Ab\u00e4nderung des sozialen Aufbaues \u00d6sterreichs vor. Die Regierung steht auf dem Standpunkt der Verb\u00fcndeten der Moskauer Deklaration f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit \u00d6sterreichs. Sie wird diese Deklaration verwirklichen, die Liquidierung des deutsch-faschistischen Regimes der Okkupanten sowie die Wiederherstellung der demokratischen Ordnung und Organisation unterst\u00fctzen.\u201c<sup>21<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Zahlen zur Schlacht um Wien:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Sowjetischen Quellen zufolge betrugen die Verluste zwischen 3. und 13. April 1945 auf deutscher Seite 19.000 Gefallene und auf sowjetischer Seite 18.000.<br>47.000 Offiziere und Soldaten wurden von der Roten Armee gefangengenommen, 636 Panzer und 1.093 Gesch\u00fctze wurden erobert oder zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gefallenenzahlen d\u00fcrften zu hoch angenommen sein. Der Wiener B\u00fcrgermeister gab im Juni 1945 an, auf den Friedh\u00f6fen von Wien h\u00e4tten nach der Schlacht etwa 4.000 Tote auf Abtransport und Beerdigung gewartet. Weitere 1.000 lagen in den Krankenh\u00e4usern, Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen der Stadt.<sup>22<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"797\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_2_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg\" alt=\"Auch am Palais Pallavacini wurde diese Markierung bei Renovierungsarbeiten entdeckt und sichtbar belassen\" class=\"wp-image-8375\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_2_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945.jpg 1200w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_2_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/38_2_Geba\u0308ude_u\u0308berpru\u0308ft_1945-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption>Auch am Palais Pallavacini wurde diese Markierung bei Renovierungsarbeiten entdeckt und sichtbar belassen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">M\u00f6chtest Du Dich erkenntlich zeigen?<\/span> <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=6688\" data-type=\"page\" data-id=\"6688\">Hier hast Du die M\u00f6glichkeit dazu<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>1 Theo <em>Rossiwall<\/em>, Die letzten Tage. Die milit\u00e4rische Besetzung \u00d6sterreichs 1945 (Wien 1969), S. 104.<\/p>\n\n\n\n<p>2 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 105\/108.<\/p>\n\n\n\n<p>3 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 110.<\/p>\n\n\n\n<p>4 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 109.<\/p>\n\n\n\n<p>5 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 111.<\/p>\n\n\n\n<p>6 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 111f.<\/p>\n\n\n\n<p>7 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 115.<\/p>\n\n\n\n<p>8 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 118.<\/p>\n\n\n\n<p>9 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 120.<\/p>\n\n\n\n<p>10 Manfried <em>Rauchensteiner<\/em>, Der Krieg in \u00d6sterreich 1945 (Wien 2015), S. 171.<\/p>\n\n\n\n<p>11 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 120.<\/p>\n\n\n\n<p>12 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 121.<\/p>\n\n\n\n<p>13 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 129.<\/p>\n\n\n\n<p>14 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 129\/131.<\/p>\n\n\n\n<p>15 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 142.<\/p>\n\n\n\n<p>16 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 148.<\/p>\n\n\n\n<p>17 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 149.<\/p>\n\n\n\n<p>18 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 161.<\/p>\n\n\n\n<p>19 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 172.<\/p>\n\n\n\n<p>20 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 173\u2013176.<\/p>\n\n\n\n<p>21 Rossiwall, Die letzten Tage, S. 182.<\/p>\n\n\n\n<p>22 Rauchensteiner, Der Krieg in \u00d6sterreich, S. 191.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-small-font-size\" style=\"color:#18a211\"><br><strong>Interne Links:<\/strong><br><br>Mehr zu den Jahren von 1939 bis Kriegsende:<br><a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=1343\">https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=1343<\/a><br><br>Mehr zu den Jahren der Besatzungszeit:<br><a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=459\">https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=459<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten Tage der NS-Herrschaft in Wien verliefen chaotisch, brutal und zahlreich an Opfern. 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