{"id":3724,"date":"2019-12-21T16:00:00","date_gmt":"2019-12-21T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=3724"},"modified":"2021-02-21T00:00:52","modified_gmt":"2021-02-20T23:00:52","slug":"1949-erinnerung-des-anrather-kreises","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=3724","title":{"rendered":"1949 \u2013 Der Anrather Kreis"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color has-small-font-size\" style=\"color:#18a211\">Dieser Artikel wurde am 24. Juli 2020 \u00fcberarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Weihnachten 1949, vor genau 70 Jahren, widmeten ehemalige Angeh\u00f6rige des \u00f6sterreichischen Widerstands im Kreuzgang der Alserkirche eine Tafel zum Gedenken an hingerichtete und in der Haft verstorbene Widerstandsk\u00e4mpfer.<br>Sie erinnerten damit an jene M\u00e4nner, die ihr Leben f\u00fcr die Freiheit \u00d6sterreichs gaben, nachdem sie von Spitzeln verraten, von der Gestapo verhaftet und von der nationalsozialistischen Justiz verurteilt worden waren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>\u00dcberblick<\/h3>\n\n\n\n<p><br>Bereits 1938 formierte sich organisierter Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Haupts\u00e4chlich rekrutierten sich die K\u00e4mpfer_innen gegen das Regime aus zwei Lagern, dem kommunistischen und dem katholisch-konservativen. In diesem Artikel widme ich mich anhand der im Artikel gezeigten Erinnerungstafel zwei Gruppen des katholisch-konservativen Widerstands, der \u201e\u00d6sterreichischen Freiheitsbewegung\u201c und der \u201eGro\u00df\u00f6sterreichischen Freiheitsbewegung\u201c \u2013 Erstere unter der F\u00fchrung des Augustiner-Chorherrn Roman Karl Scholz, Letztere unter der Leitung des Juristen Jacob Kastelic. Diese Bewegungen existierten anfangs nebeneinander, ohne in Kontakt zueinander zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Gruppen umfassten zusammen etwa 300 bis 700 Mitglieder. Auch Frauen waren beteiligt und bildeten in Scholz&#8216; Bewegung eine eigene Gruppe unter der Leitung der Pianistin Luise Kanitz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">Im Fr\u00fchjahr 1940 beschlossen diese beiden Bewegungen, gemeinsame Sache mit einer dritten Widerstandsgruppe zu machen, der ebenfalls unter dem Namen \u201e\u00d6sterreichische Freiheitsbewegung\u201c auftretenden Gruppe unter der Leitung des Juristen Karl Lederer. Gemeinsam umfassten alle drei Gruppen zu diesem Zeitpunkt etwa 1000 Mitglieder.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Die Anf\u00e4nge<\/h3>\n\n\n\n<p><br>Viktor Reimann, seit Anbeginn in der Gruppe Scholz aktiv, erz\u00e4hlt von den ersten Gedanken, die zur Gr\u00fcndung der Bewegung f\u00fchrten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eDann hat er [Scholz] gesagt, machen wir doch wenigstens irgend etwas, da\u00df man einen gr\u00f6\u00dferen Freundeskreis bekommt, mit diesem in Verbindung stehen, uns gegenseitig aufmuntern, uns B\u00fccher verschaffen, also antinationalsozialistische Literatur, die ja nur aus der Schweiz hereingeschmuggelt werden konnte. Es war zun\u00e4chst einmal gedacht eine Gruppierung zu schaffen, und von dieser Gruppierung aus mit anderen Freiheitsbestrebungen und -bewegungen in Kontakt zu treten und so zumindest geistig eine andere Landschaft zu schaffen.\u201c<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Herbert Crammer, ebenfalls Mitglied der Gruppe Scholz, beschreibt die fr\u00fchen Tage der Bewegung so:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eNeben den schulischen Kontakten war es so, da\u00df Scholz dann auch schon 1938 au\u00dferhalb der Schule sogenannte Bibelstunden abgehalten hat. [\u2026]<br>Wir haben im Stift [Klosterneuburg] einen Raum zur Verf\u00fcgung gehabt, und dort hat er jede Woche oder jede zweite Bibelstunden gehalten, hat also die Bibel erkl\u00e4rt. Das war eine rein bibelkundliche, rein religi\u00f6se Veranstaltung, aber auch in einer sehr freien und lockeren Form, also anders, als das fr\u00fcher war. Bei dieser Gelegenheit haben wir ihn nat\u00fcrlich auch n\u00e4her kennengelernt. [\u2026]<br>Und dann, eines Tages, wu\u00dften wir auch, da\u00df er eigentlich der Chef einer Widerstandsgruppe ist oder da\u00df er sie jedenfalls mit ins Leben gerufen hat. [\u2026]<br>Ich wei\u00df aber nicht genau, wann uns bewu\u00dft wurde, da\u00df Scholz eine ma\u00dfgebende Rolle spielte. Wir sollten es ja offiziell auch gar nicht wissen. Die ganze Organisationsform dieser <em>Freiheitsbewegung<\/em> ist halt leider nicht richtig eingehalten worden. Da sollten sogenannte Dreiergruppen die kleinsten Einheiten sein, die sich dann fortsetzen in Reihen und in Hundertschaften. Und immer sollten nur einer oder zwei voneinander wissen, also klassische Modelle der konspirativen T\u00e4tigkeit. Wie gesagt, so genau ist es bei uns nie gegangen. Wir haben genau gewu\u00dft, der geh\u00f6rt dazu und der geh\u00f6rt dazu.\u201c<sup>2<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Karl R\u00f6ssel-Majdan der Gruppe Kastelic erz\u00e4hlt, wie er urspr\u00fcnglich eine eigene Bewegung aufbaute:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eIch begann sofort mit der Arbeit an der Universit\u00e4t: Studenten suchen, von denen ich annehmen konnte \u2013 man mu\u00dfte bereits \u00e4u\u00dferst vorsichtig vorgehen \u2013, da\u00df sie Gegner [des Nationalsozialismus] sind, ganz gleich welcher Couleur. [\u2026]<br>Die Widerstandsbewegung begann also erstens in dieser Studentengruppe, wo ich sozusagen vom ersten Tag oder vom dritten Tag an gearbeitet hab\u2018; eine kleine Gruppe, wo ich versucht habe, sofort Decknamen einzuf\u00fchren, niemand wei\u00df des anderen Namen, damit keiner gef\u00e4hrdet ist bei dieser Radikalit\u00e4t der Nazi, daher also keine Adressen, Handschlag mu\u00df gen\u00fcgen, man mu\u00df sich verlassen k\u00f6nnen auf den anderen. So wurde das aufgebaut, war eine kleine Gruppe.\u201c<sup>3<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Mitglied um Mitglied wurde die Gruppe langsam vergr\u00f6\u00dfert. Beispielhaft sei das Kennenlernen R\u00f6ssel-Majdans mit Johann Schwendenwein im Jahr 1938 in der Wehrmacht erw\u00e4hnt, als sie an der Grenze zum Sudetenland auf ihren Angriffsbefehl wartete. Aus Schwendenweins Initiative entstand der Kontakt mit Jakob Kastelic:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eDa sah ich, auf einem Bunker stehend, den Sozialisten [Johann] Schwendenwein, den ich dann kennenlernte. Ich hatte immer nur geh\u00f6rt, da ist einer t\u00e4tig, hatte aber nie herausbekommen, wer das ist. Da stand er jetzt offen am Bunker, denn am n\u00e4chsten Tag, hat man erwartet, geht\u2018s los, und hat eine Brandrede gehalten f\u00fcr den Widerstand. Ich hab\u2018 ihn sofort begr\u00fc\u00dft, wir haben Freundschaft geschlossen. Als am n\u00e4chsten Tag die Tschechoslowakei kapituliert hat, war\u2018s nat\u00fcrlich \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich, und wir haben beschlossen, uns in Wien zu treffen und eine gemeinsame Sache zu machen, er als Sozialist, ich als Parteiloser mit meinen Studenten. Er sagte mir, es g\u00e4be einen gewissen Jakob Kastelic, der von den fr\u00fcheren <em>Sturmscharen<\/em> sei, ein katholischer Rechtsanwalt, absolut verl\u00e4\u00dflich, den kenne er und wir m\u00fcssen zusammenarbeiten.<br>Wir trafen uns dann in Wien im Cafe \u201aWunderer\u2018 in Hietzing und haben dort vom Aufbau einer gemeinsamen Widerstandsbewegung gesprochen, einigten uns auf den Namen Freiheitsbewegung bzw. \u00d6sterreichische Freiheitsbewegung, sp\u00e4ter Gro\u00df\u00f6sterreichische Freiheitsbewegung, weil man gedacht hat, der Aufstand soll Ungarn und die Tschechoslowakei und alles erfassen, wenn\u2018s einmal soweit ist.\u201c<sup>4<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Von seiner Anwerbung f\u00fcr die Gruppe Kastelic im Herbst 1939 spricht Peter Schramke:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eIn dieser Zeit dann hat mich ein ehemaliger Schulkollege aus dem Akademischen Gymnasium, der meine politische Einstellung gekannt hat und ich seine, angesprochen, ob ich bereit w\u00e4re, mich einer Widerstandsgruppe anzuschlie\u00dfen. Er hat bei mir nat\u00fcrlich weit offene T\u00fcren damit eingerannt. Das war jetzt aber nicht die <em>Gruppe Scholz<\/em>, sondern das war die <em>Gruppe Kastelic<\/em>. In der Grundhaltung, oder vielleicht besser gesagt, was die Mehrheit der Angeh\u00f6rigen dieser Gruppe betrifft, war sie eher sehr konservativ, aber es waren auch sozialdemokratische Elemente wie ich selbst in dieser Gruppe.\u201c<sup>5<\/sup><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Ziele und politische Ausrichtung der Freiheitsbewegungen<\/h3>\n\n\n\n<p><br>Welche Gedanken und Ziele den Gruppen Scholz und Kastelic zugrunde lagen, beschreiben die ehemaligen Mitglieder ganz unterschiedlich. Herbert Crammer erinnert sich:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eDie <em>Freiheitsbewegung<\/em>, wie sie sich nannte, wurde gegr\u00fcndet urspr\u00fcnglich als <em>Deutsche Freiheitsbewegung<\/em>. Das ist ganz interessant und verst\u00e4ndlich aus der damaligen Situation. Das soll jetzt nicht hei\u00dfen, da\u00df wir keinen Anspruch erhoben, \u00f6sterreichische Freiheitsk\u00e4mpfer zu sein, sondern es war eben so, da\u00df die vordergr\u00fcndige und haupts\u00e4chliche Schu\u00dfrichtung gegen den Nationalsozialismus gegangen ist. [\u2026]<br>Die Frage der \u00f6sterreichischen Selbstst\u00e4ndigkeit ist wohl auch diskutiert worden. Es hat ja, dar\u00fcber braucht man nicht viel zu diskutieren, es hat ja in \u00d6sterreich einen starken Anschlu\u00dfgedanken gegeben, auch von Leuten, die keine Nationalsozialisten waren. Das hing mit der wirtschaftlichen Situation nach der Zertr\u00fcmmerung der Monarchie zusammen. In dem Augenblick allerdings, wo die Nazis an die Macht gekommen sind, war ja die Sache schon eine ganz andere.<br>Es sind auch Gedanken ventiliert worden \u2013 das geht auch schon auf fr\u00fchere geschichtliche Zusammenh\u00e4nge zur\u00fcck \u2013, da\u00df man den s\u00fcddeutschen Raum im Gegensatz zum preu\u00dfischen gesehen hat. Also ein Zusammengehen mit Bayern und dem Rheinland auch noch dazu, also mit dem katholischen Deutschland. Diese Gedanken sind auch ventiliert worden, dar\u00fcber ist viel gesprochen worden.\u201c<sup>6<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Dem Begriff des \u201ekatholischen Widerstands\u201c kann Herbert Crammer jedoch nichts abgewinnen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eDas mit dem katholischen Widerstand, das ist richtig und das ist nicht richtig; denn automatisch wird dadurch der Eindruck erweckt, es w\u00e4re eine doch vorwiegend vom Religi\u00f6sen her entstandene Sache gewesen, und das war es nun wirklich nicht. Wohl hat es eine gewisse Rolle gespielt, und es ist sicher kein Zufall, da\u00df ein Gro\u00dfteil bekennende Katholiken waren, so da\u00df die sicher schon pr\u00e4destiniert waren. Aber es hat auch genug andere gegeben.\u201c<sup>7<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Herbert Crammers Bruder Walter ging ebenfalls in den Widerstand und beschreibt seine Ziele so:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eWir wollten erstens einmal das Land \u00d6sterreich als selbst\u00e4ndigen Staat. Wie dieser Staat dann ausschauen sollte, ob westlich-parlamentarisch, demokratisch gegliedert oder in Form eines restaurierten St\u00e4ndestaates, also berufsm\u00e4\u00dfig gegliedert \u2026 [\u2026]<br>Eines war auf jeden Fall schon unsere Vorstellung, da\u00df es eine Art Pr\u00e4sidialdemokratie, ein demokratisch zielbewu\u00dft gef\u00fchrter Staat wird, wo die Mitsprache des m\u00fcndigen B\u00fcrgers gew\u00e4hrleistet ist, die aber nicht ausarten darf zu einem Parteienstaat \u00fcbelster Pr\u00e4gung. [\u2026]<br>Unsere Vorstellung war eine Vorstellung eines Staates oder die Vorstellung einer Ordnung wie bei den alten R\u00f6mern in der republikanischen Zeit, da waren die zwei Konsuln mit dem Senat mit der Trennung zwischen Legislative und Exekutive.\u201c<sup>8<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich hat das Hedwig Leitner gesehen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eMeine pers\u00f6nliche Einstellung war auch nicht die Wiederherstellung der Monarchie, sondern unsere pers\u00f6nliche Einstellung war die Wiederherstellung \u00d6sterreichs als Republik oder St\u00e4ndestaat. Der St\u00e4ndestaat hat sich ja \u00fcberhaupt nicht profilieren k\u00f6nnen. Man hat nicht gesehen, wie das weitergeht, wie sich das entwickeln k\u00f6nnte. Aber wir haben eines gewu\u00dft: angliedern, eine Provinz Deutschlands, das wollten wir alle nicht.\u201c<sup>9<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Peter Schramke aus der Gruppe Kastelic spricht \u00fcber die Herstellung der Demokratie als Ziel der Freiheitsbewegung:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eUnsere Zielvorstellung war jedenfalls, wieder ein unabh\u00e4ngiges \u00d6sterreich zu erstellen auf demokratischer Grundlage. Die Demokratie war dann schon, m\u00f6cht\u2018 ich sagen, ein Ziel, das die verschiedenen [Auffassungen vereint hat], es war ja eine etwas gemischte Gruppe, sind keineswegs alle immer Exponenten wirklich demokratischer Ideen gewesen, es waren also auch ehemalige Heimwehrleute dabei und Anh\u00e4nger der sogenannten Vaterl\u00e4ndischen Front.\u201c<sup>10<\/sup><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Vorhaben, Pl\u00e4ne, T\u00e4tigkeiten und Aktionen der Freiheitsbewegung<\/h3>\n\n\n\n<p><br>Die Menschen im Widerstand k\u00e4mpften auf unterschiedlichen Ebenen f\u00fcr einen unabh\u00e4ngigen Staat \u00d6sterreich. Sie erkundeten potenzielle Anschlagsziele, schulten neue Mitglieder auf politischer Ebene, standen in Kontakt mit britischen, franz\u00f6sischen, amerikanischen, sowjetischen und tschechischen Botschaften im Ausland, verteilten Flugbl\u00e4tter, etwa mit dem Titel \u201eWas nicht im VB [V\u00f6lkischer Beobachter] steht\u201c oder \u00fcberlegten sich milit\u00e4rische Aktionen. Aus letzterem Bereich erz\u00e4hlt Karl R\u00f6ssel-Majdan, sp\u00e4ter Mitglied der Gruppe Kastelic, aus dem Jahr 1938:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eDann kam\u2018s zum Sudeteneinmarsch. Ich wurde eingezogen als Offiziersanw\u00e4rter im Rang eines Unteroffiziers zur schweren Artillerie. Bei dieser schweren Artillerie [\u2026] waren viele fr\u00fchere Taxifahrer und Chauffeure von Fabriken usw. Die waren meistens Sozialisten, und es war daher leicht, einen guten Kontakt aufzunehmen. Es ging in den N\u00e4chten im Zickzack durchs Waldviertel, so wurden geheim die Stellungen bezogen, und dann kam der Druck und die Drohung gegen die Tschechoslowakei. Wir haben damals noch gehofft, die Tschechoslowakei w\u00fcrde Widerstand leisten. Wir haben vorbereitet, am Tag, zur Stunde Null, wenn es losgehen soll, die Gesch\u00fctze umzudrehen, Richtung nach r\u00fcckw\u00e4rts, und die Front aufzurei\u00dfen. Es war gut vorbereitet.\u201c<sup>11<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Hedwig Leitner, ebenfalls Mitglied in der Gruppe Scholz, schildert wie sie antinationalsozialistische Literatur beschaffte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201e[\u2026] durch den Dr. Karl Smekal bin ich in Verbindung mit der <em>\u00d6sterreichischen Freiheitsbewegung<\/em> gekommen. Und zwar schon im Jahr 1938, das hat sich ja hingezogen. Dann hat mir der Dr. Smekal gesagt: \u201aWir brauchen Material aus der Schweiz, Schulungsmaterial, Propagandamaterial.\u2018 Das bekommt man nat\u00fcrlich nicht in \u00d6sterreich oder in Deutschland. Ich hatte einen Verwandten in der Schweiz, der war dort Universit\u00e4tsprofessor, und dem hab\u2018 ich geschrieben, er m\u00f6ge mir postlagernd in der Schweiz, in der N\u00e4he der \u00f6sterreichischen Grenze, in der N\u00e4he von Vorarlberg, gewisse B\u00fccher deponieren, die wir dort abholen k\u00f6nnen. Und das hat er auch getan. [\u2026] Propagandab\u00fccher gegen den Nationalsozialismus, die der Professor Scholz gebraucht hat f\u00fcr die Schulung seiner jungen Leute. [\u2026] Da waren von Vorarlberg so Ausfl\u00fcge angek\u00fcndigt, und da bin ich einmal mitgefahren. Bitte, der Scholz ist auch mitgefahren, aber ich hab\u2018 sie im Rucksack gehabt, und so haben wir sie nach \u00d6sterreich gebracht, diese B\u00fccher.\u201c<sup>12<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Viktor Reimann aus der Bewegung von Scholz erinnert sich an die fr\u00fchen Aktivit\u00e4ten und Pl\u00e4ne der F\u00fchrungsgruppe:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eEinige Zeit sp\u00e4ter ist [Johann] Zimmerl und dann sind noch ein paar, [Hanns Georg] Heintschel-Heinegg usw., dazugesto\u00dfen, diese haben dann eine innere F\u00fchrungsgruppe gebildet, die ging schon weiter [\u2026] und wollte aktiv werden, auch mit Sabotageakten. Es mu\u00df Juli [1939] oder um die Zeit gewesen sein, gerade in der Zeit, als ich mein Doktorat gemacht hab\u2018. Da hat diese innere F\u00fchrungsgruppe schon alles m\u00f6gliche vorbereitet oder besprochen, was sie tun werden. Sie haben sich auch ein paar Gewehre oder Flinten besorgt, also f\u00fcr meine Begriffe nicht wirklich ernst zu nehmen. Das Ernstzunehmende war, da\u00df sich jemand aufgemacht hat im Jahre 1939 und gesagt hat, man mu\u00df etwas machen, zumindest geistig vorbereiten.\u201c<sup>13<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Herbert Crammer erz\u00e4hlt von antinationalsozialistischen Spr\u00fcchen auf Flugbl\u00e4ttern:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eVielleicht das Markanteste war, da\u00df wir, das war allerdings schon 1939, also nach Kriegsbeginn, da\u00df wir Flugbl\u00e4tter erzeugt haben. Ich hab\u2018 nicht einmal eine Schreibmaschine oder sonst etwas gehabt. Ich habe mir hier in Wien in der Spielwarenhandlung Kober am Graben einen Setzkasten gekauft, einen richtigen Spielsetzkasten, und wir haben dann mit diesen relativ harmlosen und primitiven Mitteln Flugbl\u00e4tter gemacht. Scholz hat uns verschiedene Texte gesagt, das sind mehr oder weniger gelungene S\u00e4tzchen gewesen: \u201aNieder mit den Nazi-Bonzen. Wir wollen Frieden und Freiheit.\u2018 Dessen entsinne ich mich sehr wohl. \u201a\u00d6sterreicher, was wollt ihr? Frieden und Freiheit oder Hunger und Hitler?\u2018 Das war also auch sehr nett: \u201aWir brauchen keinen Krieg, wir brauchen keinen Sieg, nur a sch\u00f6ne Hitlerleich und a sch\u00f6nes \u00d6sterreich.\u2018 \u2013 \u201aHinaus mit den Preu\u00dfen, wir wollen keine Kolonie sein. \u00d6sterreich den \u00d6sterreichern.\u2018\u201c<sup>14<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Karl R\u00f6ssel-Majdan erinnert sich an seinen Ende Juli 1939 durchgef\u00fchrten \u201eAnschlag\u201c auf die Gedenktafel f\u00fcr Otto Planetta und die Julik\u00e4mpfer, die im Juli 1934 am nationalsozialistischen Putschversuch beteiligt waren, in dessen Zuge Engelbert Dollfu\u00df erschossen wurde:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eEs war mir geradezu ein Auftrag: da, wo ich wohne, passiert so etwas; irgendein Meisterst\u00fcck in der Widerstandsbewegung mu\u00df jeder leisten! Zwar war gegen\u00fcber die Wachstube, und es ging ja auch ein Posten dort auf und ab, aber es war klar f\u00fcr mich, das mu\u00df weg, das Denkmal. [\u2026] Ich hab\u2018 dann ein diesiges Wetter ben\u00fctzt, hab\u2018 herausbekommen, da\u00df das Sandstein ist, die ganze Tafel. Sandstein saugt ja verschiedenes auf. Ich hab\u2018 eine F\u00fcllfedertinte oder Tusche genommen, Tusche d\u00fcrft\u2018 das gewesen sein, und bin mit einem Fahrrad, Windjacke, Kragen aufgestellt, die Siebensterngasse langsam abw\u00e4rts gerollt, hab\u2018 die Situation beobachtet. [\u2026] Es gelang mir dann also, dort einen Moment zu stoppen und dieses Fl\u00e4schchen \u00fcber die Tafelschrift dr\u00fcberzuspritzen. Die Tafel war total schwarz bekleckert, und das hat sich hineingesaugt. Ich bin sofort mit dem Fahrrad durch die n\u00e4chste Seitengasse abgehauen, nach verschiedenen Winkelstra\u00dfen immer beobachtend, ob ich verfolgt werde. [\u2026] Am n\u00e4chsten Tag [\u2026] war alles schwarz von Menschen, eine Versammlung und \u00fcberall Polizei und nat\u00fcrlich die SS-Uniformen, und auf zwei Leitern standen Steinmetze und haben diese Tafel herausgestemmt. Da hab\u2018 ich mir gedacht: \u201aGelungen.\u2018\u201c<sup>15<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Peter Schramke erz\u00e4hlt von einer anderen Art des Widerstands, des politischen und ideologischen Diskurses:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eEs haben auch sozusagen politische Schulungsveranstaltungen stattgefunden. Heintschel-Heinegg war ein politisch hochgebildeter und sehr eloquenter junger Mann. Da hat sich also ein relativ kleiner Kreis in seiner Wohnung wiederholt getroffen, und Heintschel-Heinegg und ein anderes Mal auch [Johann] Zimmerl haben gesprochen, und dann wurde diskutiert, aber da ist es eigentlich mehr um Ideologisches gegangen.\u201c<sup>16<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Felix Pr\u00f3nay f\u00fchrt ein weiteres Ziel der Gruppe Scholz an, das 1940 in Frankreich erreicht werden sollte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eEine der Absichten dieser Gruppe, der ja durchwegs Leute angeh\u00f6rten, die damit rechnen mu\u00dften, sehr bald zur Wehrmacht eingezogen zu werden, war, einen Kontakt mit den Westalliierten \u2013 andere gab\u2018s nicht \u2013 herzustellen und die Desertion solcher \u00d6sterreicher an der Westfront vorzubereiten, mit dem Ziel, sp\u00e4ter einmal eine \u00f6sterreichische Gruppe im Rahmen der alliierten Armeen zu schaffen.\u201c<sup>17<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Der Sieg Deutschlands \u00fcber Frankreich kam diesem Bestreben allerdings in die Quere.<\/p>\n\n\n\n<p>1940 war es auch als Karl R\u00f6ssel-Majdan im Krieg gegen Frankreich vielen Zivilisten das Leben gerettet hat:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eDann kam der Angriff auf Frankreich, die Gesch\u00fctze sind aufgefahren gegen die Maginot-Linie. Es war bespannte Artillerie, ich hatte zwei Gesch\u00fctze und wu\u00dfte nach der Karte, es wird geschossen auf Fluchtwege, wo Frauen und Kinder aus dem franz\u00f6sischen Maginot-Linie-Gebiet zur\u00fcckgezogen werden; dieses Schie\u00dfen wird ein furchtbares Blutbad anrichten. Da ging ich heimlich \u2013 konnte mit niemandem reden, weil es war viel zu gef\u00e4hrlich \u2013, ging heimlich immer zu den Gesch\u00fctzen und hab\u2018 die Daten an den Gesch\u00fctzen etwas verstellt, so da\u00df sie in eine sumpfige Wiese geschossen haben und dort immer \u201aplupp\u2018, also ergebnislos, explodiert sind. Das war am Tag des Angriffes, am n\u00e4chsten Tag noch kam ein preu\u00dfischer Offizier br\u00fcllend: \u201aWelches Schwein da oben schie\u00dft immer daneben?\u2018 Aber es hie\u00df schon aufsitzen und wieder weiter, und dadurch konnten die der Sache nicht weiter nachgehen.\u201c<sup>18<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Etwa ab April 1940 war Peter Schramke daf\u00fcr zust\u00e4ndig, Kontakt mit der Gruppe Scholz aufzunehmen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eDiese T\u00e4tigkeit war darauf ausgerichtet, eine engere Verbindung \u2013 d.h., es hat noch gar keine bestanden \u2013, \u00fcberhaupt eine Verbindung herzustellen zwischen der <em>Gruppe Kastelic<\/em> und der <em>Gruppe Scholz<\/em>. Der Name Scholz war mir damals nicht bekannt, eigentlich, soviel ich wei\u00df, fast niemandem innerhalb dieser Gruppe, die wenigsten haben gewu\u00dft, was er eigentlich ist und wie er hei\u00dft, das war einfach der \u201aChef\u2018.\u201c<sup>19<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Im Juni 1940 sollte ein Munitionsdepot der Wehrmacht ausgekundschaftet werden. Peter Schramke erz\u00e4hlt von der mit Otto Hartmann und Luise Kanitz geplanten Aktion:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eHartmann hat mich einmal sogar dazu gebracht, an der Vorbereitung eines geplanten terroristischen Anschlages mitzumachen. Halterbach war das. Da war ich sozusagen der dritte Mann. Da war Hartmann, da war die Frau [Luise] Kanitz, Deckname \u201aMucki\u2018, und also ich. Der Hartmann hat das organisiert: Wir treffen uns bei der Stadtbahnstation H\u00fctteldorf, damals Stadtbahnendstation H\u00fctteldorf, sind dann zu Fu\u00df ins Halterbachtal gegangen, und der Plan war der folgende: Es sollte sich dort ein Munitionsdepot der Wehrmacht befinden. Wir sollten durch einen Trick eindringen, und zwar indem die Kanitz einen Ohnmachtsanfall in unmittelbarer N\u00e4he dieses Depots markiert und wir sie [das Bewachungspersonal] dann entsprechend aufgeregt bitten, da\u00df wir sie einen Moment da hinlegen, und mit denen ein bisserl ins Gespr\u00e4ch kommen: \u201aIhr seids ja rund um die Uhr da\u2018 und so. Herausbekommen haben wir, da\u00df dort \u00fcberhaupt keine Munition mehr vorhanden ist, und das Personal, das waren nur zwei Leut von der Wach- und Schlie\u00dfgesellschaft, sehr harmlose eher \u2013 sagen wir Hans-Moser-Typen. Dieser Sprengstoff, der dort gelagert h\u00e4tte sein sollen, der sollte \u2013 laut Hartmann \u2013 verwendet werden, um irgendwo einmal was in die Luft zu sprengen, einen Gasometer oder eine Br\u00fccke, ich wei\u00df es nicht einmal mehr.\u201c<sup>20<\/sup><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Verrat und Ende der Gruppen Scholz, Kastelic und Lederer<\/h3>\n\n\n\n<p><br>Im Fr\u00fchjahr 1940 waren die Gruppen bereits von Spitzeln der Gestapo unterwandert worden. Diese vermeintlichen Mitstreiter hatten ihre Dienste in unterschiedlichen Positionen angeboten und so den Informationsaustausch, den die Widerstandsgruppen mit ausl\u00e4ndischen Vertretern pflegten, direkt an die Gestapo weitergeleitet. Der bekannteste unter ihnen war der oberhalb bereits erw\u00e4hnte Burgschauspieler Otto Hartmann.<\/p>\n\n\n\n<p>Tragisch f\u00fcr die Freiheitsbewegung war der Umstand, dass Fritz Lehmann, der selbst Mitglied der Gruppe Scholz war, Otto Hartmann mit Viktor Reimann in Kontakt brachte. Reimann erz\u00e4hlte Hartmann von der Freiheitsbewegung und machte ihn mit Scholz bekannt. So gelangte der Verr\u00e4ter, der die Bewegung letztendlich zu Fall brachte, an die F\u00fchrungsspitze der Gruppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 22. und 23. Juli 1940 wurden die f\u00fchrenden K\u00f6pfe und die aktivsten Mitglieder der drei Widerstandsgruppen verhaftet, bis Anfang August insgesamt 143 Personen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"886\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/12_Anrather_Kreis_1949.jpg\" alt=\"Gedenktafel des Anrather Kreises f\u00fcr verstorbene und hingerichtete Widerstandsk\u00e4mpfer\" class=\"wp-image-3725\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/12_Anrather_Kreis_1949.jpg 886w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/12_Anrather_Kreis_1949-222x300.jpg 222w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/12_Anrather_Kreis_1949-768x1040.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 886px) 100vw, 886px\" \/><figcaption>Gedenktafel des Anrather Kreises f\u00fcr hingerichtete und in der Haft verstorbene Widerstandsk\u00e4mpfer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 1. Dezember 1941 wurden Heintschel-Heinegg, Scholz, Kanitz und zwei weitere Widerstandsk\u00e4mpfer wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbeg\u00fcnstigung angeklagt. Erst nach leidvollen Gef\u00e4ngnisaufenthalten in Wien, Anrath und anderen Orten begann im Februar 1944 der Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p>Walter Crammer erz\u00e4hlt von den Ereignissen im Fr\u00fchjahr 1941, nachdem die Widerstandsk\u00e4mpfer in Wien in Haft gesessen waren:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eWir sind aber dann im Fr\u00fchjahr 1941 \u2013 die ganze Gruppe von uns, wir waren ja \u00fcber 200 Verhaftete, damit zweifellos eine der st\u00e4rksten Gruppen des Widerstandes \u2013 nach Deutschland hinaustransportiert worden, nach Anrath bei Krefeld, in das M\u00e4nnerstrafgef\u00e4ngnis und Frauenzuchthaus Anrath bei Krefeld.<br>In Erinnerung ist Anrath bei Krefeld nur als die Hungerburg mit ungeheizten Betonzellen, schlechtestem Essen und einer Abgeschiedenheit, die der von Toten auf Friedh\u00f6fen gleicht. Wir haben dort ca. ein Jahr verbracht. Ich war damals in einer Zelle, so wie alle Zellen sind; f\u00fcnf mal drei Meter, nur hat\u2018s dort gar kein Wasserklo \u2018geben, sondern dort ist man, wie in den meisten deutschen Gef\u00e4ngnissen, noch auf K\u00fcbeln gegangen, was die Sache nat\u00fcrlich nicht erleichtert hat.\u201c<sup>21<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Karl Birngruber erinnert sich an seine Zeit in Anrath:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eWir kamen also [im Juli 1941] nach Anrath. Auf der Fahrt haben wir mit einigen doch Kontakt aufnehmen k\u00f6nnen. Anrath war dann f\u00fcr uns eigentlich sehr schlecht, und zwar dadurch, da\u00df wir wieder sehr Hunger gehabt haben und keinen Kontakt miteinander. Wir haben zwar die Spazierg\u00e4nge gehabt. Im gro\u00dfen Kreis gingen die Gesunden, und im kleinen Kreis die Kranken, und da habe ich auch mit dem Abt Bernhard [Burgstaller] von Wilhering Kontakt bekommen.\u201c<sup>22<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Heinrich Zeder aus der Gruppe Kastelic beschreibt Anrath als furchtbaren Ort:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413;color:#ffffff\">\u201eUnd da kamen wir zun\u00e4chst in ein ganz ber\u00fcchtigtes Zuchthaus, M\u00e4nnerzuchthaus und daneben Frauenstrafanstalt Anrath [bei Krefeld], ein Schreckbegriff, nicht nur f\u00fcr uns Politische, sondern auch f\u00fcr die anderen, f\u00fcr die richtigen Verbrecher und \u00dcbelt\u00e4ter. Da waren wir lang. Also da war zun\u00e4chst der Direktor [Combrink], ein ganz ein w\u00fcster, ein SS-Mann ersten Ranges, und der hat uns nat\u00fcrlich behandelt, da\u00df uns die Haare zun\u00e4chst aufgestiegen sind. In \u00d6sterreich waren sie ja irgendwie gem\u00fctlich. Das hat er uns in wenigen Monaten abgew\u00f6hnt. Man durfte nicht irgendwie menschlich reden. Immer zack, zack und sich als Verbrecher f\u00fchlen, das war so immer sein erstes, und da kam er hereingest\u00fcrzt in die Zelle, und wenn man nicht sofort da stand an der Wand \u2013 man mu\u00dfte ja Meldung machen, also: Untersuchungsgefangener des Volksgerichtshofes Heinrich Zeder \u2026 Wer sich da vergriffen hat, der kam schwer dran.\u201c<sup>23<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Im Verfahren gegen Karl Birngruber und andere Mitangeklagte wurde ihnen vorgeworfen, \u201eim Jahre 1940 im Gau Oberdonau durch Teilnahme und Unterst\u00fctzung der Gro\u00df\u00f6sterreichischen Freiheitsbewegung den habsburgisch-separatistischen Hochverrat vorbereitet\u201c<sup>24<\/sup> zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Diejenigen, die nicht zum Tode, sondern zu Zuchthaus oder Gef\u00e4ngnis verurteilt wurden, erwartete eine zus\u00e4tzliche Strafverl\u00e4ngerung. Das Strafma\u00df sollte n\u00e4mlich erst nach dem siegreichen Ende des Kriegs zu z\u00e4hlen beginnen. Nur die Dauer der Untersuchungshaft wurde von der Reststrafe abgezogen. Wurde also jemand 1944 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, so wurde er zwar gleich nach der Urteilsverk\u00fcndung ins Zuchthaus gesteckt, die sechs Jahre h\u00e4tten aber erst nach Kriegsende zu z\u00e4hlen begonnen. In Form eines \u201eKriegsaussetzungsbescheids\u201c wurden die Verurteilten von diesem Umstand informiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt gab es mehrere Verfahren gegen Mitglieder der drei Widerstandsgruppen vor dem Volksgerichtshof und dem Oberlandesgericht Wien, bis im M\u00e4rz 1944 die Todesurteile gef\u00e4llt wurden. Alfred Adalbert Miegl, Rudolf Wallner, Johann Zimmerl, Lederer und Scholz wurden am 2. Mai enthauptet, Gerhard Fischer-Ledenice, G\u00fcnter Josef Loch, Heintschel-Heinegg und Kastelic am 10. August.<br>Neun der nicht zum Tode Verurteilten starben in der Haft, darunter der Abt des Zisterzienserstiftes Wilhering, Petrus Burgstaller, der 1941 im Gef\u00e4ngnis Anrath verstarb.<br>Luise Kanitz \u00fcberlebte ihre Haftzeit und starb 1976.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Kriegsende schlossen sich die \u00dcberlebenden der drei Widerstandsgruppen im \u201eAnrather Kreis\u201c zusammen und stifteten am 17. Dezember 1949 die im obigen Bild gezeigte Gedenktafel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">M\u00f6chtest Du Dich erkenntlich zeigen?<\/span> <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=6688\" data-type=\"page\" data-id=\"6688\">Hier hast Du die M\u00f6glichkeit dazu<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>1 Dokumentationsarchiv des \u00d6sterreichischen Widerstandes (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte. Berichte von M\u00e4nnern und Frauen in Widerstand und Verfolgung, Bd. 2: Katholiken, Konservative, Legitimisten (Wien 1992), S. 325.<\/p>\n\n\n\n<p>2 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 303.<\/p>\n\n\n\n<p>3 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 341.<\/p>\n\n\n\n<p>4 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 342.<\/p>\n\n\n\n<p>5 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 348.<\/p>\n\n\n\n<p>6 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 304.<\/p>\n\n\n\n<p>7 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 306.<\/p>\n\n\n\n<p>8 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 312.<\/p>\n\n\n\n<p>9 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 319.<\/p>\n\n\n\n<p>10 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 350.<\/p>\n\n\n\n<p>11 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 341.<\/p>\n\n\n\n<p>12 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 316.<\/p>\n\n\n\n<p>13 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 325.<\/p>\n\n\n\n<p>14 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 304.<\/p>\n\n\n\n<p>15 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 342f.<\/p>\n\n\n\n<p>16 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 349.<\/p>\n\n\n\n<p>17 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 324.<\/p>\n\n\n\n<p>18 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 344f.<\/p>\n\n\n\n<p>19 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 348.<\/p>\n\n\n\n<p>20 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 349.<\/p>\n\n\n\n<p>21 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 309.<\/p>\n\n\n\n<p>22 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 338.<\/p>\n\n\n\n<p>23 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 334.<\/p>\n\n\n\n<p>24 D\u00d6W (Hg.), Erz\u00e4hlte Geschichte, S. 339.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Links und Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Austria-Forum, \u00d6sterreichische Freiheitsbewegung, online unter:<br><a href=\"https:\/\/austria-forum.org\/af\/AustriaWiki\/%C3%96sterreichische_Freiheitsbewegung\">https:\/\/austria-forum.org\/af\/AustriaWiki\/%C3%96sterreichische_Freiheitsbewegung<\/a> (20. Dezember 2019)<\/p>\n\n\n\n<p>Austria-Forum, Gro\u00df\u00f6sterreichische Freiheitsbewegung, online unter:<br><a href=\"https:\/\/austria-forum.org\/af\/AustriaWiki\/Gro%C3%9F%C3%B6sterreichische_Freiheitsbewegung\">https:\/\/austria-forum.org\/af\/AustriaWiki\/Gro%C3%9F%C3%B6sterreichische_Freiheitsbewegung<\/a> (20. Dezember 2019)<\/p>\n\n\n\n<p>Gisela <em>Hormayr<\/em>, \u201eDie Zukunft wird unser Sterben einmal anders beleuchten\u201c. Opfer des katholisch-konservaten Widerstands in Tirol 1938\u20131945 (Innsbruck 2015), online unter:<br><a href=\"https:\/\/books.google.at\/books?id=-_l3DwAAQBAJ&amp;printsec=frontcover&amp;hl=de&amp;source=gbs_atb#v=onepage&amp;q&amp;f=false\">https:\/\/books.google.at\/books?id=-_l3DwAAQBAJ&amp;printsec=frontcover&amp;hl=de&amp;source=gbs_atb#v=onepage&amp;q&amp;f=false<\/a> (20. Dezember 2019)<\/p>\n\n\n\n<p>Nachkriegsjustiz.at, Zwei Gedenktafeln im Kreuzgang des Minoritenkonvents, online unter:<br><a href=\"http:\/\/www.nachkriegsjustiz.at\/vgew\/1080_alserstrasseminoriten.php\">http:\/\/www.nachkriegsjustiz.at\/vgew\/1080_alserstrasseminoriten.php<\/a> (20. Dezember 2019)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-small-font-size\" style=\"color:#18a211\"><br><strong>Interne Links:<\/strong><br><br>Mehr zu den Jahren 1939 bis Kriegsende:<br><a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=1343\">https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=1343<\/a><br><br>Mehr zur Justiz im Nationalsozialismus:<br><a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=453#justiz\">https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=453#justiz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel wurde am 24. Juli 2020 \u00fcberarbeitet. 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