{"id":13493,"date":"2021-03-01T18:31:27","date_gmt":"2021-03-01T17:31:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=13493"},"modified":"2021-03-02T18:06:19","modified_gmt":"2021-03-02T17:06:19","slug":"1934-bis-1944-kam-nur-die-todesstrafe-in-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=13493","title":{"rendered":"1934 bis 1944 \u2013 \u201e\u2026 kam nur die Todesstrafe in Frage\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Wandert man \u00fcber Wiens gr\u00f6\u00dften Platz in der Innenstadt, so gibt es einige Dinge, die auffallen: etwa die stattliche ehemalige L\u00e4nderbankzentrale, die heute ein Hotel beherbergt, die auff\u00e4llige imposante Kirche zu den neun Ch\u00f6ren der Engel oder die Zentralfeuerwache am Hof. An diesem Standort reicht die Tradition der Feuerwehr bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zur\u00fcck, als im B\u00fcrgerlichen Zeughaus Wasserw\u00e4gen und L\u00f6schger\u00e4te untergebracht waren. An der Fassade des Zeughauses befindet sich eine Mahn- und Erinnerungstafel aus dem Jahr 1947, der ich mich mit diesem Artikel etwas genauer widmen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text auf der Tafel lautet:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eDen treuen K\u00e4mpfern gegen faschistische Gewalt-Herrschaft<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table aligncenter\"><table><tbody><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Ing. Georg Weissel<\/td><td>\u2020<\/td><td>15.2.1934<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Ludwig Ebhart<\/td><td>\u2020<\/td><td>10.3.1944<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Josef Schwaiger<\/td><td>\u2020<\/td><td>19.3.1944<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Rudolf Haider<\/td><td>\u2020<\/td><td>21.6.1944<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Hermann Plackholm<\/td><td>\u2020<\/td><td>31.10.1944<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Johann Zak<\/td><td>\u2020<\/td><td>31.10.1944<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Feuerwehr der Stadt Wien 1947\u201c<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Das verbindende Element der sechs Namen ist der Wille dieser M\u00e4nner, ein Zeichen gegen Faschismus und Diktatur zu setzen und dass sie daf\u00fcr ihr Leben gaben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>1934<\/h3>\n\n\n\n<p><br>Als im Februar 1934 die K\u00e4mpfe des Republikanischen Schutzbunds gegen die Staatsmacht aufflammten, war Georg Weissel Wachkommandant der Hauptfeuerwache Floridsdorf. Der amtierende Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df hatte zu diesem Zeitpunkt schon etwa elf Monate lang ohne Parlament regiert und bereitete die knapp drei Monate sp\u00e4ter in Kraft gesetzte Maiverfassung des von ihm <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=3699\" data-type=\"post\" data-id=\"3699\">geplanten St\u00e4ndestaats<\/a> vor. Um zu verhindern, dass der Kanzler wie ein Monarch \u00fcber das Land regiert, ohne das Regulativ eines demokratischen Parlaments zuzulassen, entschied sich Weissel f\u00fcr den Widerstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 13. Februar griff er im Zuge der <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=457#buergerkrieg\">Februark\u00e4mpfe<\/a> als Angeh\u00f6riger der Akademischen Legion des Republikanischen Schutzbunds mit weiteren Widerstandsk\u00e4mpfern zur Waffe und formierte in der Hauptfeuerwache Floridsdorf einen St\u00fctzpunkt im Kampf gegen das Dollfu\u00df-Regime. Branddirektor Anton Wagner erhielt von dem Aufstand Kenntnis und verst\u00e4ndigte die Bundessicherheitswache, die das Geb\u00e4ude st\u00fcrmte. 61 Feuerwehrm\u00e4nner wurden verhaftet und der \u201eR\u00e4delsf\u00fchrer\u201c Georg Weissel vor einem Standgericht zum Tode verurteilt. Am 15. Februar 1934 endete sein Leben am W\u00fcrgegalgen.<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>1944<\/h3>\n\n\n\n<p><br>Innerhalb der Wiener Berufsfeuerwehr existierte w\u00e4hrend des NS-Regimes eine kommunistische Zelle, die einerseits Flugbl\u00e4tter gegen den Nationalsozialismus verbreitete und andererseits Spenden f\u00fcr verfolgte, verhaftete und ermordete Feuerwehrleute sozialistischer Ausrichtung sammelte. Der Fonds, in den diese Spenden einflossen, war nach Georg Weissel benannt. Auf diese T\u00e4tigkeiten wurde die Geheime Staatspolizei (Gestapo) aufmerksam, im besonderen auf Hermann Plackholm, der zu diesem Zeitpunkt die Funktion eines Hauptwachtmeisters in der Feuerwache Speising bekleidete.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende 1942 fertigte die Gestapo eine politische Beurteilung von ihm an, die im nationalsozialistischen Sinne kein gutes Bild zeichnete:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eHermann Plackholm, der dem marxistischen Lager entstammt, steht seit dem Umbruch dem NS-Staat abwartend gegen\u00fcber. Sein Gesamtverhalten l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df er von seiner fr\u00fcheren marxistischen Weltanschauung bisher noch nicht losgekommen ist.\u201c<sup>2<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Am 4. Februar 1943 wurde Plackholm mit seiner Frau Maria verhaftet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Tagesbericht der Gestapo hei\u00dft es dazu:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eIn Fortsetzung der bisherigen Aktionen gegen die KP\u00d6 wurden am 4.2.1943 f\u00fcnf f\u00fchrende Funktion\u00e4re festgenommen, die im dringenden Verdachte stehen, der letzten Wiener Stadtleitung der KP\u00d6 angeh\u00f6rt oder Verbindung zu ihr aufrecht erhalten zu haben.\u201c<sup>3<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Bei den f\u00fcnf Verhafteten handelte es sich neben Hermann und Maria Plackholm um Alexander Johannes Rosenheim, Rudolf Kirchberger und Karl Schachinger.<\/p>\n\n\n\n<p>Im folgenden wurden im Bericht die \u201eVergehen\u201c der Plackholms beschrieben:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eHermann Plackholm hat sich seit dem Jahre 1941 wiederholt mit f\u00fchrenden Funktion\u00e4ren der KP\u00d6 getroffen und hat zuletzt als Sektorenleiter der Wiener Stadtleitung angeh\u00f6rt. Er war an der Herstellung kommunistischer Streuzettel beteiligt und verfasste den Entwurf f\u00fcr ein kommunistisches Flugblatt. \u00dcberdies hat er einkassierte Mitgliedsbeitr\u00e4ge \u00fcbernommen und weitergeleitet. Er ist gest\u00e4ndig. Bei der Hausdurchsuchung wurde eine Pistole mit 37 Schuss Munition vorgefunden und beschlagnahmt.<br>Maria Plackholm war \u00fcber die kommunistische T\u00e4tigkeit ihres Ehemannes Hermann P. unterrichtet und stellte in dessen Auftrag eine Verbindung zwischen der Stadtleitung Wien und einer kommunistischen Gruppe der Steyr-Werke her.\u201c<sup>4<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Im weiteren Verlauf der Gestapo-Ermittlungen wurden bis J\u00e4nner 1944 \u00fcber 50 weitere Feuerwehrm\u00e4nner festgenommen. Darunter befand sich Johann Zak, der am 23. Februar 1943 verhaftet wurde, weil er Spenden f\u00fcr die Rote Hilfe, eine kommunistische Hilfsorganisation f\u00fcr politisch unter Druck geratene Kommunisten, Sozialdemokraten und Parteilose, gesammelt hatte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201e[\u2026] und teile mit, dass Johann Zak am 23.2.1943 wegen staatsfeindlicher Bet\u00e4tigung festgenommen wurde und nach Abschluss der Ermittlungen dem SS- und Polizeigericht VII in Wien wegen Vorbereitung zum Hochverrat angezeigt wird.\u201c<sup>5<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Am 11. Mai meldete das Kommando der Feuerschutzpolizei die Verhaftung weiterer neun Unterf\u00fchrer an das Hauptpersonalamt. Darunter befand sich Franz Pascher:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eDie Verhaftung erfolgte im Zuge des Ermittlungsverfahrens gegen die bereits verhafteten [\u2026] Zak Johann und Plackholm Hermann, wegen Bet\u00e4tigung f\u00fcr die Kommunistische Partei \u00d6sterreichs.\u201c<sup>6<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Feuerwehrmann wurde am 7. J\u00e4nner 1944 verhaftet \u2013 Ludwig Ebhart. Am 8. M\u00e4rz wurde er zwar wieder entlassen, er starb jedoch zwei Tage sp\u00e4ter an den Folgen der Folter, die er in Gestapohaft erleiden musste. In diesen zwei Monaten Untersuchungshaft war sein Gesundheitszustand durch seine Peiniger so massiv verschlechtert worden, dass er wegen Haftunf\u00e4higkeit entlassen werden musste. Dies erfolgte, weil ihm nichts f\u00fcr eine Anklage Relevantes nachgewiesen werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen 13. und 25. M\u00e4rz 1944 fand in Wien der Prozess gegen 50 Feuerwehrm\u00e4nner statt, den das Oberste SS- und Polizeigericht in M\u00fcnchen leitete. Da die Feuerwehr in der NS-Zeit die Bezeichnung Feuerschutzpolizei trug und der Ordnungspolizei eingegliedert war, ergab sich die Zust\u00e4ndigkeit dieses Gerichts. Die Anklage lautete auf Vorbereitung zum Hochverrat und\/oder Feindbeg\u00fcnstigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch w\u00e4hrend des Prozesses beging Josef Schwaiger angesichts seiner hoffnungslosen Lage am 19. M\u00e4rz Suizid. Er erh\u00e4ngte sich in seiner Zelle.<\/p>\n\n\n\n<p>46 Angeklagte sprachen die Richter schuldig, f\u00fcnf von ihnen wurden zum Tode verurteilt \u2013 Hermann Plackholm, Johann Zak, Franz Pascher, Johann Perthold und Oskar Schlaf.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Information der Gestapo bez\u00fcglich Plackholm und Zak an das Hauptpersonalamt der Gemeinde Wien hie\u00df es:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eObengenannter wurde am 25.3.1944 vom Obersten SS- und Polizeigericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbeg\u00fcnstigung zum Tode und Ehrverlust auf Lebenszeit verurteilt.\u201c<sup>7<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die anderen angeklagten Feuerwehrm\u00e4nner bekamen Haftstrafen zwischen f\u00fcnf Jahren und lebenslangem Zuchthaus. Sie wurden am 29. M\u00e4rz 1944 in das  Konzentrationslager Mauthausen \u00fcberstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verhandlung von Rudolf Haider, der ebenfalls wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbeg\u00fcnstigung angeklagt war, wurde in einem gesonderten Verfahren vor dem Volksgerichtshof durchgef\u00fchrt. Leider ist mir nicht bekannt, warum f\u00fcr ihn ein anderes Gericht zust\u00e4ndig war. Im Urteil, das am 20. April 1944 \u00fcber ihn gef\u00e4llt wurde, sprachen ihn die Richter schuldig in beiden Punkten und verurteilten ihn mit seinen Mitangeklagten zum Tode. Am Tag darauf wurde er im Wiener Landesgericht enthauptet.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Urteilsbegr\u00fcndung ist zu lesen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eDie Angeklagten haben somit durch ihre im einzelnen geschilderte T\u00e4tigkeit mit voller Absicht im Rahmen einer kommunistischen Organisation die allgemein bekannten Gewaltziele der KP\u00d6 gegen das Reich gef\u00f6rdert. Sie haben sich somit der Vorbereitung des organisatorischen Hochverrats [\u2026] schuldig gemacht.<br>Kommunistischer Hochverrat im Kriege richtet sich aber auch gegen die Geschlossenheit der Heimatfront und nutzt daher dem Feind. Das war den Angeklagten auch bekannt, die als t\u00e4tige Kommunisten die Bundesgenossen der feindlichen Sowjetunion waren und durch ihre innere Zersetzungsarbeit auf den Sieg der Sowjets und die Errichtung eines Sowjetstaates im Inlande hinarbeiteten.<br>Die Angeklagten waren daher wegen Feindbeg\u00fcnstigung [\u2026] zu bestrafen. Nach Art und Umfang ihrer Tat kam nur die Todesstrafe in Frage. Da sie sich in ehrloser Weise aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgeschlossen haben, sind ihnen auch die Ehrenrechte auf Lebenszeit aberkannt [\u2026].\u201c<sup>8<\/sup><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br>Eine Hinrichtung vor Kollegen<\/h4>\n\n\n\n<p><br>Am 27. Oktober 1944 wurden die f\u00fcnf im M\u00e4rz zum Tode Verurteilten von Mauthausen nach Wien \u00fcberstellt, wo sie vor\u00fcbergehend im Polizeigefangenenhaus an der Ro\u00dfauer L\u00e4nde 7 eingesperrt wurden. Erst am 30. Oktober erfuhren Pascher, Perthold und Schlaf von ihrer Begnadigung zu lebenslanger Haft. Dennoch wurden sie am darauffolgenden Tag nach Kagran gebracht. In einem Bericht von Johann Perthold erz\u00e4hlt er von den Ereignissen jener Tage und Stunden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eNach dem Nachtessen erschien ein Gerichtsoffizier der WBF [Wiener Berufsfeuerwehr] mit einer Kommission in der Zelle und verlas das endg\u00fcltige Urteil. Wir 3 wurden von der Todesstrafe zu lebenslang begnadigt [und] mu\u00dften bei der Erschie\u00dfung der beiden anderen [Genossen] als abschreckendes [Beispiel] anwesend sein.\u201c<sup>9<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Der Kommandant der Feuerschutzpolizei SS-Standartenf\u00fchrer Johann Stanzig, der w\u00e4hrend des Novemberpogroms 1938 den Befehl gegeben hatte, von Nationalsozialisten in Brand gesteckte Synagogen nicht zu l\u00f6schen, erlie\u00df am 28. Oktober 1944 einen Sonderbefehl f\u00fcr alle Angeh\u00f6rigen der Feuerwehr. Dieser besagte, alle Feuerwehrm\u00e4nner m\u00fcssten sich am 31. Oktober in Uniform am Milit\u00e4rschie\u00dfplatz Kagran einfinden. Nur jene Kollegen, die unbedingt zur Aufrechterhaltung des Betriebes notwendig waren, durften ihren Dienst in den Feuerwachen der Stadt verrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem oben bereits zitierten Bericht von Johann Perthold geht die grausame Durchf\u00fchrung der Exekution vor den Augen von 600 Feuerwehrm\u00e4nnern hervor:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eAm fr\u00fchen Morgen wurden wir wieder gefesselt und unter brutaler Behandlung mittels Schubwagen zur Richtst\u00e4tte am Schie\u00dfplatz Kagran gef\u00fchrt. Bevor wir noch ankamen, verabschiedeten wir sich [sic!] von den zwei zum Tode verurteilten Genossen. Verlie\u00dfen den Schubwagen und gingen ohne uns zu f\u00fchren jeder zu seinem Pfahl, wo wir im gefesselten Zustande von Brust bis zu den F\u00fc\u00dfen mit Stricken angebunden wurden.<br>Vor uns standen 600 Mann der WBF [Wiener Berufsfeuerwehr], die als abschreckendes [Beispiel] hinkommandiert wurden. Nach nochmaligem Verlesen des Urteils wurden den beiden [Genossen] [Plackholm und Zak] in der Herzgegend mit Kreide Kreise gezogen, die Binden vor die Augen gegeben, die sie zwar verweigerten, ein kurzer Befehl und wir hatten zwei brave herrliche [Genossen] verloren, die aber in unserem Geist immer fortleben werden.\u201c<sup>10<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Johann Stanzig war neben dem Verbot, die brennenden Synagogen zu l\u00f6schen, auch f\u00fcr den Abzug der Feuerwehr aus Wien vor den <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=8372\" data-type=\"post\" data-id=\"8372\">anr\u00fcckenden Sowjettruppen<\/a> im April 1945 verantwortlich. Durch diese Ma\u00dfnahme befanden sich nur 35 Feuerwehrm\u00e4nner mit einem Fahrzeug in Wien, als die <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=12659\" data-type=\"post\" data-id=\"12659\">K\u00e4mpfe in der Stadt<\/a> begannen. Viele Br\u00e4nde, die im Zuge der Kampfhandlungen oder durch Pl\u00fcnderer entstanden waren, h\u00e4tten bek\u00e4mpft und zahlreiche Geb\u00e4ude gerettet werden k\u00f6nnen, h\u00e4tte Stanzig die Feuerwehr nicht nach Mauthausen beordert, wo sie die Bewachung der Konzentrationslager \u00fcbernahm, nachdem die SS-Wachmannschaften gefl\u00fcchtet waren.<br>Stanzig wurde 1948 zu f\u00fcnf Jahren Haft verurteilt und nach drei Jahren in die Freiheit entlassen.<sup>11<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Erst im Oktober 1949 konnten die Grabst\u00e4tten von Hermann Plackholm und Johann Zak am Wiener Zentralfriedhof lokalisiert werden.<sup>12<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"797\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/65_Widerstand_Feuerwehr.jpg\" alt=\"Denkmal f\u00fcr Feuerwehrm\u00e4nner, die im Austrofaschismus und Nationalsozialismus ermordet wurden\" class=\"wp-image-13494\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/65_Widerstand_Feuerwehr.jpg 797w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/65_Widerstand_Feuerwehr-199x300.jpg 199w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/65_Widerstand_Feuerwehr-768x1156.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 797px) 100vw, 797px\" \/><figcaption>Denkmal f\u00fcr Feuerwehrm\u00e4nner, die im Austrofaschismus und Nationalsozialismus ermordet wurden<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Das Denkmal<\/h3>\n\n\n\n<p><br>1947 wurde die Mahn- und Erinnerungstafel, die vom italienisch-\u00f6sterreichischen Bildhauer Mario Petrucci hergestellt wurde, am Zeughaus angebracht. Die Figur oben zeigt einen enthaupteten Feuerwehrmann, der seinen Kopf im rechten Arm h\u00e4lt. Die feierliche Enth\u00fcllung fand am Sonntag, dem 26. Oktober statt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eVor der verh\u00fcllten Gedenktafel standen ein Feuerwehrmann und ein Stra\u00dfenbahner mit ihren Fahnen. Zu beiden Seiten flatterten rote Wimpel und Fahnen mit Sicheln und Hammern und den <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=11228\" data-type=\"post\" data-id=\"11228\"><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">drei Pfeilen<\/span><\/a>, darunter die dreifarbige Fahne der \u00f6sterreichischen Spanienk\u00e4mpfer. Dicht gedr\u00e4ngt standen die Teilnehmer der Feier auf dem weiten Platz. Auf den Ehrenpl\u00e4tzen vor dem Rednerpult hatten die Angeh\u00f6rigen der Hingerichteten Platz genommen.<br>[\u2026]<br>Von der Fachgruppe Feuerwehr der politisch Verfolgten sprach Franz Hawles: \u201aNoch bluten die schweren Wunden, und es wird lange dauern, bis sie vernarben. Trotzdem vergessen schon viele die Worte \u201aNiemals wieder!\u2018, die sie damals gesprochen haben. Wir \u00dcberlebenden m\u00fcssen uns immer wieder daran erinnern, und dies auf allen Gebieten des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Lebens zum Ausdruck bringen.\u2018\u201c<sup>13<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">M\u00f6chtest Du Dich erkenntlich zeigen?<\/span> <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=6688\" data-type=\"page\" data-id=\"6688\">Hier hast Du die M\u00f6glichkeit dazu<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>1 Nachkriegsjustiz.at, Gedenkstein (Feuerwehrzentrale), online unter:<br><a href=\"http:\/\/www.nachkriegsjustiz.at\/vgew\/1010_amhof.php\">http:\/\/www.nachkriegsjustiz.at\/vgew\/1010_amhof.php<\/a> (25. Februar 2021), <br>Austria-Forum.at, Georg Weissel (Widerstandsk\u00e4mpfer), online unter:<br><a href=\"https:\/\/austria-forum.org\/af\/AustriaWiki\/Georg_Weissel_%28Widerstandsk%C3%A4mpfer%29\">https:\/\/austria-forum.org\/af\/AustriaWiki\/Georg_Weissel_%28Widerstandsk%C3%A4mpfer%29<\/a> (25. Februar 2021),<br>DasRoteWien.at, Weissel, Georg, online unter:<br><a href=\"http:\/\/www.dasrotewien.at\/seite\/weissel-georg\">http:\/\/www.dasrotewien.at\/seite\/weissel-georg<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>2 Politische Beurteilung f\u00fcr Hermann Plackholm, 18. Dezember 1942, online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/cfho0\/plackholm_pol_beurt_3516.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/cfho0\/plackholm_pol_beurt_3516.pdf<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>3 Geheime Staatspolizei, Staatspolizeileitstelle Wien, Tagesbericht Nr. 3 vom 5.\u20138.II.1943, S. 1, online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/efpp0\/tb3_febr43_plackholm.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/efpp0\/tb3_febr43_plackholm.pdf<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>4 Geheime Staatspolizei, Staatspolizeileitstelle Wien, Tagesbericht Nr. 3 vom 5.\u20138.II.1943, S. 2, online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/efpp0\/tb3_febr43_plackholm.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/efpp0\/tb3_febr43_plackholm.pdf<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>5 Geheime Staatspolizei, Staatspolizeileitstelle Wien, Betrifft: Johann Zak, 20.6.1903 Wien geb., 25. M\u00e4rz 1943, online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/9b5ai\/zak_johann_festn_3518.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/9b5ai\/zak_johann_festn_3518.pdf<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>6 Gemeindeverwaltung des Reichsgaues Wien als Ortspolizeibeh\u00f6rde, Kommando der Feuerschutzpolizei, Betr.: Verhaftung von 9 Unterf\u00fchrern der Feuerschutzpolizei, 11. Mai 1943, online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/cdhg1\/pascher_ua_festn_5097.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/cdhg1\/pascher_ua_festn_5097.pdf<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>7 Geheime Staatspolizei, Betrifft: Hermann Plackholm, 2.10.1904 Wien geb., 5. April 1944, online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/7gu6f\/plackholm_urt_3516.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/7gu6f\/plackholm_urt_3516.pdf<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>8 Urteil des Volksgerichtshofes vom 20. April 1944, online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/248iq\/19793_73.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/248iq\/19793_73.pdf<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>9 Zitiert nach: Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands, Hermann Plackholm (1904\u20131944), online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/erinnern\/biographien\/spurensuche\/hermann-plackholm-1904-1944\">https:\/\/www.doew.at\/erinnern\/biographien\/spurensuche\/hermann-plackholm-1904-1944<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>10 Zitiert nach: Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands, Hermann Plackholm (1904\u20131944), online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/erinnern\/biographien\/spurensuche\/hermann-plackholm-1904-1944\">https:\/\/www.doew.at\/erinnern\/biographien\/spurensuche\/hermann-plackholm-1904-1944<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>11 Anklageschrift gegen Johann Stanzig, online unter:<br><a href=\"https:\/\/ausstellung.de.doew.at\/dokumente\/200605181127_n_32.pdf\">https:\/\/ausstellung.de.doew.at\/dokumente\/200605181127_n_32.pdf<\/a> (1. M\u00e4rz 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>12 Meldung \u201eDie Gr\u00e4ber der Freiheitsk\u00e4mpfer Plackholm und Zak gefunden\u201c, in: \u00d6sterreichische Volksstimme, 29. Oktober 1949, S. 5, online unter:<br><a href=\"https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=ovs&amp;datum=19491029&amp;seite=5\">https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=ovs&amp;datum=19491029&amp;seite=5<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>13 Meldung \u201eDie Heldentafel der Feuerwehr\u201c, in: \u00d6sterreichische Volksstimme, 28. Oktober 1947, S. 3, online unter:<br><a href=\"https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=ovs&amp;datum=19471028&amp;seite=3\">https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=ovs&amp;datum=19471028&amp;seite=3<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Links und Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Herbert <em>Exenberger<\/em>, Heinz <em>Riedel<\/em>, Grausiges \u201eSpektakel\u201c um Wiener Feuerwehrm\u00e4nner, in: Herbert <em>Exenberger<\/em> \/ Heinz <em>Riedel<\/em>, Milit\u00e4rschie\u00dfplatz Kagran (Schriftenreihe des Dokumentationsarchivs des \u00f6sterreichischen Widerstandes zur Geschichte der NS-Gewaltverbrechen \u2013 6, Wien 2003), S. 48\u201353, online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/1856j\/exenberger_riedel_kagran_31101944.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/1856j\/exenberger_riedel_kagran_31101944.pdf<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Artikel \u201eDie Freiheitsk\u00e4mpfer der Feuerwehr\u201c, in: \u00d6sterreichische Volksstimme, 24. Oktober 1947, S. 3, online unter:<br><a href=\"https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=ovs&amp;datum=19471024&amp;seite=3\">https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=ovs&amp;datum=19471024&amp;seite=3<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>DasRoteWien.at, Antifaschistische Denkm\u00e4ler und Gedenkst\u00e4tten, online unter:<br><a href=\"http:\/\/www.dasrotewien.at\/seite\/antifaschistische-denkmaeler-und-gedenkstaetten\">http:\/\/www.dasrotewien.at\/seite\/antifaschistische-denkmaeler-und-gedenkstaetten<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands, Hermann Plackholm (1904\u20131944), online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/erinnern\/biographien\/spurensuche\/hermann-plackholm-1904-1944\">https:\/\/www.doew.at\/erinnern\/biographien\/spurensuche\/hermann-plackholm-1904-1944<\/a> (25. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-small-font-size\" style=\"color:#18a211\"><br><strong>Interne Links:<\/strong><br><br>Mehr zu den Jahren von 1939 bis Kriegsende:<br><a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=1343\" data-type=\"page\" data-id=\"1343\">1939 bis Kriegsende<\/a><br><br>Mehr zur Besatzungszeit bis 1955:<br><a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=459\" data-type=\"page\" data-id=\"459\">Besatzungszeit bis 1955<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wandert man \u00fcber Wiens gr\u00f6\u00dften Platz in der Innenstadt, so gibt es einige Dinge, die auffallen: etwa die stattliche ehemalige L\u00e4nderbankzentrale, die heute ein Hotel beherbergt, die auff\u00e4llige imposante Kirche zu den neun Ch\u00f6ren der Engel oder die Zentralfeuerwache am Hof. An diesem Standort reicht die Tradition der Feuerwehr bis in die Mitte des 16. 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