{"id":10973,"date":"2020-09-07T19:07:23","date_gmt":"2020-09-07T17:07:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=10973"},"modified":"2021-06-20T17:16:18","modified_gmt":"2021-06-20T15:16:18","slug":"1945-sieg-oder-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=10973","title":{"rendered":"1945 \u2013 Sieg oder Tod"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">In diesem Artikel besch\u00e4ftige ich mich mit einer verblassten Parole, die wahrscheinlich gegen Kriegsende, als das viel zu sp\u00e4te Ende des Dritten Reichs endlich n\u00e4herr\u00fcckte, an der Fassade eines Operationsbunkers aufgetragen wurde. In diesen letzten Tagen des NS-Regimes versuchten jene Teile der Zivilbev\u00f6lkerung, die nach wie vor von der Idee des Nationalsozialismus \u00fcberzeugt waren, die Mitmenschen zum Durchhalten und Weiterk\u00e4mpfen zu \u00fcberzeugen. Der Spruch \u201eSieg oder Tod\u201c bedeutete nicht nur f\u00fcr die Soldaten, lieber im Kampf mit dem Feind zu fallen als sich zu ergeben. Er wurde auch synonym als Durchhalteparole f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung verwendet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Die Herkunft der Parole<\/h3>\n\n\n\n<p><br>Der Spruch \u201eSieg oder Tod\u201c war keine Erfindung des Dritten Reichs. Schon als die Habsburgermonarchie 1866 Krieg gegen Preu\u00dfen und dessen Verb\u00fcndeten Italien f\u00fchrte, ist die Parole in Theodor Fontanes Reisebriefen \u00fcberliefert:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eMehr als einmal hatte, in dem ungleichen Kampfe, die Kraft die Unsrigen zu verlassen gedroht, aber mit dem lauten Gebet \u201aVater hilf, keine Schande, Sieg oder Tod\u2018, waren sie endlich, w\u00e4hrend der Hauptmann, Freiherr von Kayserlingk, die Fahne des Bataillons ergriff, unter dem Schlagen aller Tambours zum Siege vorgedrungen.\u201c<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Da es bis heute ein beliebtes Mittel f\u00fchrender Milit\u00e4rs und Politiker ist, an das Ehrgef\u00fchl der Soldaten zu appellieren, damit selbige eifriger ins Feuer laufen, kam der Begriff nicht aus der Mode. So stand der Spruch zwischen 1914 und 1918 als Kappenabzeichen der kaiserlich-k\u00f6niglichen Truppen in Verwendung, etwa in Form von \u201eSieg oder Tod im Alpenrot\u201c, das auch als Marsch vertont wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass diese milit\u00e4rhistorische Dauerparole auch im Nationalsozialismus ganz hervorragend im Sinne der radikal-fanatischen Propaganda eingesetzt werden konnte, ist naheliegend. Dennoch gab es einen besonderen Anlass, der in einem Funkspruch an Erwin Rommel \u00fcberliefert wurde. Als dieser in Nordafrika angesichts der durch fehlenden Nachschub geschw\u00e4chten Truppen den R\u00fcckzug antreten wollte, funkte man ihm am 3. November 1942 \u2013 in Unkenntnis Rommels letzten Lageberichts \u2013 folgende Durchsage Adolf Hitlers:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eMit mir verfolgt das deutsche Volk in gl\u00e4ubigem Vertrauen auf Ihre F\u00fchrerpers\u00f6nlichkeit und auf die Tapferkeit der Ihnen unterstellten deutsch-italienischen Truppen den heldenhaften Abwehrkampf in \u00c4gypten. In der Lage, in der Sie sich befinden, kann es keinen anderen Gedanken geben als auszuharren, keinen Schritt zu weichen und jede Watte und jeden K\u00e4mpfer, die noch freigemacht werden k\u00f6nnen, in die Schlacht zu werfen. Betr\u00e4chtliche Verst\u00e4rkungen an fliegenden Verb\u00e4nden werden in diesen Tagen dem Oberbefehlshaber S\u00fcd zugef\u00fchrt werden. Auch der Duce und das Commando Supremo werden die \u00e4u\u00dfersten Anstrengungen unternehmen, um Ihnen die Mittel zur Fortf\u00fchrung des Kampfes zuzuf\u00fchren, Trotz seiner \u00dcberlegenheit wird auch der Feind am Ende seiner Kraft sein. Es w\u00e4re nicht das erste Mal in der Geschichte, da\u00df der st\u00e4rkere Wille \u00fcber die st\u00e4rkeren Bataillone des Feindes triumphierte. Ihrer Truppe aber k\u00f6nnen Sie keinen anderen Weg zeigen als den zum Siege oder zum Tode.\u201c<sup>2<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Erst als Rommel sich mit seinen Truppen nach schweren Verlusten trotz des obigen Befehls zur\u00fcckzog, ber\u00fccksichtigte Hitler die milit\u00e4rische Lage und segnete den R\u00fcckzug ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Parole kam aber nicht nur in Deutschland zur Anwendung, auch Stalin setzte sie im Herbst 1942 auf Flugbl\u00e4ttern ein, die an die sowjetische Jugend gerichtet waren:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eSieg oder Tod! Willst Du den Sieg &#8211; t\u00f6te den Deutschen\u201c<sup>3<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Joseph Goebbels\u2018 Tageb\u00fcchern ist im Eintrag vom 1. August 1942 ein Hinweis auf die Verbreitung dieser Parole in der Roten Armee zu entdecken:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eWie schon betont, setzen [die Engl\u00e4nder] nun ihre entscheidenden Hoffnungen auf den Befehl Stalins an die sowjetischen Truppen, keinen Schritt weiter zur\u00fcckzuweichen. Der Befehl Stalins wird durch einen neuen massiven Aufruf im \u201aRoten Stern\u2018 erg\u00e4nzt. In diesem Aufruf lautet die Parole: \u201aSieg oder Tod!\u2018 Die Engl\u00e4nder nehmen diese Parole auf, allerdings nur f\u00fcr die Bolschewisten.\u201c<sup>4<\/sup><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Die Bedeutung der Parole \u201eSieg oder Tod\u201c im deutschen Milit\u00e4r<\/h3>\n\n\n\n<p><br>Schon bei der Vereidigung der Soldaten schworen sie, gegebenenfalls ihr Leben in gehorsamer Pflichterf\u00fcllung zu geben:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eIch schw\u00f6re bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem F\u00fchrer des Deutschen Reiches und Volkes, <em>Adolf Hitler<\/em>, dem Oberbefehlshaber  der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit f\u00fcr diesen Eid mein Leben einzusetzen.\u201c<sup>5<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Heeresdienstvorschrift 2 wird dem Soldaten nahegelegt, lieber zu sterben als sich zu ergeben:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eVon jedem deutschen Soldaten wird erwartet, da\u00df er den Tod im Kampf mit der Waffe in der Hand der Gefangenschaft vorzieht. Doch kann in den Wechself\u00e4llen des Kampfes auch der Tapferste das Ungl\u00fcck haben, lebend in Feindeshand zu fallen.\u201c<sup>6<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>In den ersten Kriegsjahren entfaltete sich die Konsequenz dieser radikalen Selbstopferungsvorschriften nur selten. Selbst die milit\u00e4rische F\u00fchrung betrachtete die \u201eSieg oder Tod\u201c- und \u201eKampf bis zur letzten Patrone\u201c-Parolen nur als sinngem\u00e4\u00dfe Ausrichtung in der Geisteshaltung der Soldaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem die Wehrmacht Ende November 1941 in ihrem Vormarsch beinahe Moskau erreicht hatte, begann unter dem Druck der Roten Armee der dreieinhalbj\u00e4hrige R\u00fcckzug bis nach Deutschland. Damit versch\u00e4rfte sich auch die Sichtweise der Befehlshaber, die von der sinngem\u00e4\u00dfen Interpretation zur tats\u00e4chlichen Durchf\u00fchrung schwenkten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier bestanden die gr\u00f6\u00dften Unterschiede wohl zwischen der Wehrmacht und der Waffen-SS. Nahm Letztere den Befehl, sich bis zur letzten Patrone zu verteidigen oft w\u00f6rtlich, kapitulierten Wehrmachtseinheiten meist dann, wenn es aus milit\u00e4rischer Sicht keinen Sinn mehr ergab, den Kampf weiterzuf\u00fchren, auch wenn es in deren K\u00f6pfen durchaus getreu des Eides die Vorstellung gab, ihr Leben zu opfern, wenn es milit\u00e4risch sinnvoll erschien.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"797\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/49_1_Sieg-oder-Tod_1945.jpg\" alt=\"Die kaum noch entzifferbare Parole \u201eSieg oder Tod\u201c an einem ehemaligen Operationsbunker in Wien\" class=\"wp-image-10974\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/49_1_Sieg-oder-Tod_1945.jpg 1200w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/49_1_Sieg-oder-Tod_1945-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/49_1_Sieg-oder-Tod_1945-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption>Die kaum noch entzifferbare Parole \u201eSieg oder Tod\u201c an einem ehemaligen Operationsbunker in Wien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Wille sich zu ergeben, war auch davon abh\u00e4ngig, an welcher Front die jeweilige Einheit k\u00e4mpfte. Im Westen ergaben sich Soldaten dank der guten Behandlung von Gefangenen in Lagern der Westalliierten leichter. Truppen, die im Osten k\u00e4mpften, hatten allerdings dank der nationalsozialistischen Propaganda das Bild des mordenden primitiven Russen im Kopf, in dessen Gewalt sie keine Stunde \u00fcberleben w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Unterschied im Sieg-oder-Tod-Empfinden lag im Dienstgrad. Vor allem waren es Milit\u00e4rangeh\u00f6rige h\u00f6herer Dienstgrade, die diese Vorstellung fest in ihrem Ehrenkodex eingebunden hatten und sich deshalb nicht oder nur unter schwersten Bedenken dem Gegner ergeben konnten. Oft machten sie sich in der Gefangenschaft Vorw\u00fcrfe \u2013 nicht jedoch wegen der Tatsache kapituliert zu haben, sondern weil sie als gute Offiziere gem\u00e4\u00df ihrer kampfmoralischen Polung eigentlich nicht lebend in Gefangenschaft h\u00e4tten gehen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Soldaten unterhalb der Offiiziersr\u00e4nge verf\u00fcgten meist nicht \u00fcber ein derart enges an milit\u00e4rische Normen geheftetes Wertesystem. Erkannten sie keinen Sinn mehr darin, Gegenwehr zu leisten oder einen Ausbruchsversuch zu wagen, wenn sie eingekesselt waren, dann neigten sie eher dazu, die Waffen zu strecken, auch wenn noch Patronen \u00fcbrig waren. \u00dcberliefert ist hier etwa recht anschaulich der Wortlaut des Unteroffiziers Oberfeldwebel Renner vom Luftnachrichtenregiment 7, als er von den K\u00e4mpfen um Cherbourg im Juni 1944 sprach, in deren Zuge er 282 Soldaten das Leben rettete, indem er sie in die Gefangenschaft f\u00fchrte, w\u00e4hrend sich der befehlshabende Offizier in einem Bunker verbarg:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eWir h\u00e4tten uns noch mindestens drei oder sogar f\u00fcnf Tage halten k\u00f6nnen. Aber ich habe nach der M\u00f6glichkeit getrachtet, das zu verhindern. [\u2026] Ich habe mich trotz des Trommelfeuers vor den Bunker gestellt und fing an zu reden: \u201aWollt ihr jetzt da drau\u00dfen sterben f\u00fcr einen sinnlosen Kampf, wo es nicht mehr weitergeht? Kommt, wir gehen hinaus.\u2018 Unter diesen etwa zweihundert Personen waren vielleicht \u2013 die anderen haben nichts gesagt \u2013 zehn Gegner, die gesagt haben: \u201aDas kann man sich nicht bieten lassen, das geht nicht! Wir haben den Kampf bis zur letzten Patrone zu f\u00fchren!\u2018 Da habe ich dann gesagt: \u201aWas hei\u00dft letzte Patrone? Sie schie\u00dfen den letzten Schuss aus und der Feind feuert dann r\u00fcber und dann sind Sie tot!\u2018 Da sagt der: \u201aDann sind wir eben den Heldentod f\u00fcr die Heimat gestorben!\u2018 Da habe ich gesagt: \u201aDa hast du ja nichts davon, du bl\u00f6der Hund, wenn du da stirbst und deine Frau leidet zu Hause!\u2018 Da haben die anderen gesagt: \u201aNein, nicht, da will ich vorher raus.\u2018 Es gelang mir, die Leute zu bekehren. Ich habe gefragt: \u201aWer geht mit?\u2018 Da haben sich zuerst zwei gemeldet und kurz darauf, in einem Nu, waren es f\u00fcnfundzwanzig bis drei\u00dfig Mann gewesen. Da bin ich vorne weg mit der Fahne und habe gewunken hin und her, und bin direkt dem gro\u00dfen Trommelfeuer entgegengegangen.\u201c<sup>7<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Ausschlaggebend f\u00fcr die Entscheidung Soldaten sinnlos sterben zu lassen oder ihr \u00dcberleben durch Gefangennahme zu sichern, waren \u2013 wie das obige Beispiel zeigt \u2013 mehrere Faktoren: Befehligte sie ein linientreuer Offizier, so standen ihre Chancen lebend aus der Situation herauszukommen schlecht. Ebenso spielte aber auch die Gruppendynamik in der Einheit eine Rolle. Weitere Faktoren waren die milit\u00e4rische Lage und die pers\u00f6nliche Einstellung des Soldaten, so er noch eine hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl der Druck, den die obersten Offiziere und Hitler selbst an die Truppen weitergaben, ab Ende 1941 kontinuierlich stieg, f\u00e4llten die meisten Offiziere im Kampfeinsatz weiterhin Entscheidungen, die sich an der milit\u00e4rischen Lage der jeweiligen Einheit orientierte. Erkannten sie einen Sinn in der Fortsetzung des Kampfes, so f\u00fchrten sie ihn. Bestand das Weiterk\u00e4mpfen jedoch nur noch im sinn- und zwecklosen Verheizen der Soldaten ohne ein milit\u00e4risches Ziel erreichen zu k\u00f6nnen, so ergaben sie sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Hitler hatte sich sp\u00e4testens bis 1943 aber v\u00f6llig von diesem Grundsatz gel\u00f6st. F\u00fcr ihn galt es seit der Winterkrise 1941 bei Moskau als bewiesen, dass der blo\u00dfe Wille ausreichend sei, um selbst \u00fcberm\u00e4chtige Gegner in die Knie zu zwingen, was sich in dem weiter oben bereits zitierten Funkspruch an Rommel zeigte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eEs w\u00e4re nicht das erste Mal in der Geschichte, da\u00df der st\u00e4rkere Wille \u00fcber die st\u00e4rkeren Bataillone des Feindes triumphierte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er forderte bedingunglosen fanatischen Kampf bis zur letzten Patrone, vor allem wenn milit\u00e4risch viel auf dem Spiel stand. In solchen Situationen beharrte er ohne Wenn und Aber auf der Durchsetzung seiner Befehle \u2013 Sieg oder Tod.<\/p>\n\n\n\n<p>Oft jedoch lie\u00df sich die Kommunikation, die zwischen den F\u00fchrungsst\u00e4ben und der Kampftruppe lag, als verbales S\u00e4belrasseln deklarieren. Funkte ein befehlshabender Offizier an das weit entfernte Hauptquartier, er w\u00fcrde aushalten bis zum letzten Mann und keinen Fu\u00dfbreit weichen, so konnte er sicher sein, in der Gunst der F\u00fchrung keine Einbu\u00dfen zu erleiden. In der Wirklichkeit wurde dann nicht so hei\u00df gegessen wie gekocht und die Soldaten gingen in Gefangenschaft ehe der letzte Schuss abgefeuert worden war. Manchen Offizieren dienten solche per Funkspruch durchgegebenen Heldenst\u00fccke sogar als Karrieresprungbrett, da in deren Folge oft eine Bef\u00f6rderung gegen\u00fcber dem jeweiligen Offizier ausgesprochen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst als sich der Krieg schon fast zu seinem Ende neigte, geriet das heldenhafte Siegen oder Sterben ins Br\u00f6ckeln. Nach der Ardennenoffensive war wohl selbst dem letzten Soldaten klargeworden, dass Deutschland diesen selbst angezettelten Krieg nicht gewinnen wird. Auch der F\u00fchrermythos verblasste und manche Soldaten traten in einen \u201eStreik\u201c, wie General Rothkirch im M\u00e4rz 1945 berichtete:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eSie sitzen eben alle da, wenn die Amerikaner kommen, und tun nichts.\u201c<sup>8<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>In diesen letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges verabschiedeten sich auch h\u00f6here Offiziere von der radikalen Kampfmoral. Generalleutnant Ferdinand Heim sagte im M\u00e4rz 1945:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#134413\">\u201eIch habe es fr\u00fcher immer f\u00fcr falsch gehalten, die Waffen zu strecken, es h\u00e4tte einen schweren Knacks in unserem Volk gegeben, der sich vielleicht zuk\u00fcnftig ganz unheilvoll ausgewirkt h\u00e4tte. Aber jetzt, jetzt muss Schluss sein, es ist ja einfach ein Wahnsinn.\u201c<sup>9<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"797\" src=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/49_2_Sieg-oder-Tod_1945.jpg\" alt=\"Dank Bildbearbeitung konnte ich den verwitteten Schriftzug wieder sichtbar machen.\" class=\"wp-image-10975\" srcset=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/49_2_Sieg-oder-Tod_1945.jpg 1200w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/49_2_Sieg-oder-Tod_1945-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.worteimdunkel.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/49_2_Sieg-oder-Tod_1945-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption>Dank Bildbearbeitung konnte ich den verwitterten Schriftzug wieder sichtbar machen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Parole war an einem Operationsbunker des Kaiserin-Elisabeth-Spitals in Wien aufgetragen worden, wo sich auch die bereits besprochene Durchhalteparole \u201e<a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?p=3819\" data-type=\"post\" data-id=\"3819\">Trotz Terror: Kampf bis zum Sieg<\/a>\u201c befand. 2014 wurden sie nach Abnahme der an der Bunkerfassade montierten Werbefl\u00e4chen sichtbar. Darauf folgte der Abriss des Bunkers, der bis Anfang 2015 abgeschlossen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">M\u00f6chtest Du Dich erkenntlich zeigen?<\/span> <a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=6688\" data-type=\"page\" data-id=\"6688\">Hier hast Du die M\u00f6glichkeit dazu<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>1 Theodor <em>Fontane<\/em>, Reisebriefe vom Kriegsschauplatz. B\u00f6hmen 1866 (Hamburg 2012), S. 51, online unter:<br><a href=\"https:\/\/books.google.at\/books?id=vFe1uXQ_1iAC&amp;pg=PA51#v=onepage&amp;q&amp;f=false\">https:\/\/books.google.at\/books?id=vFe1uXQ_1iAC&amp;pg=PA51#v=onepage&amp;q&amp;f=false<\/a> (6. September 2020)<\/p>\n\n\n\n<p>2 Artikel \u201eKein anderer Weg als Sieg oder Tod\u201c, Der Spiegel, 30. Oktober 1967, online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-46185324.html\">https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-46185324.html<\/a> (6. September 2020)<\/p>\n\n\n\n<p>3 Bogdan <em>Musial<\/em>, Stalins Beutezug. Die Pl\u00fcnderung Deutschlands und der Aufstieg der Sowjetunion zur Weltmacht (M\u00fcnchen 2010), Textauszug online unter:<br><a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/vorgeblaettert\/leseprobe-zu-bogdan-musial-stalins-beutezug-teil-1.html\">https:\/\/www.perlentaucher.de\/vorgeblaettert\/leseprobe-zu-bogdan-musial-stalins-beutezug-teil-1.html<\/a> (7. September 2020)<\/p>\n\n\n\n<p>4 Elke <em>Fr\u00f6hlich<\/em> (Hg.), Die Tageb\u00fccher von Joseph Goebbels, Teil II Diktate 1941\u20131945, Bd. 5 Juli\u2013September 1942 (M\u00fcnchen 1995), S. 225, online unter:<br><a href=\"https:\/\/books.google.at\/books?id=8X9dDwAAQBAJ&amp;pg=PA225&amp;lpg=PA225#v=onepage&amp;q&amp;f=false\">https:\/\/books.google.at\/books?id=8X9dDwAAQBAJ&amp;pg=PA225&amp;lpg=PA225#v=onepage&amp;q&amp;f=false<\/a> (7. September 2020)<\/p>\n\n\n\n<p>5 Zitiert nach: S\u00f6nke <em>Neitzel<\/em>, Harald <em>Welzer<\/em>, Soldaten. Protokolle vom K\u00e4mpfen, T\u00f6ten und Sterben (3. Auflage, Frankfurt am Main Juli 2017), S. 468, Endnote 674.<\/p>\n\n\n\n<p>6 Zitiert nach Neitzel, Welzer, Soldaten, S. 307.<\/p>\n\n\n\n<p>7 Zitiert nach Neitzel, Welzer, Soldaten, S. 311f.<\/p>\n\n\n\n<p>8 Zitiert nach Neitzel, Welzer, Soldaten, S. 318.<\/p>\n\n\n\n<p>9 Zitiert nach Neitzel, Welzer, Soldaten, S. 319.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#18a211\"><br><strong>Interner Link:<\/strong><br><br>Mehr zu den Jahren von 1939 bis Kriegsende:<br><a href=\"https:\/\/www.worteimdunkel.at\/?page_id=1343\" data-type=\"page\" data-id=\"1343\">1939 bis Kriegsende<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Artikel besch\u00e4ftige ich mich mit einer verblassten Parole, die wahrscheinlich gegen Kriegsende, als das viel zu sp\u00e4te Ende des Dritten Reichs endlich n\u00e4herr\u00fcckte, an der Fassade eines Operationsbunkers aufgetragen wurde. 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